Donnerstag, 26. November 2015

Zeugenschutzprogramm



Wenn es bei uns an der Tür klingelt, gibt es eigentlich nur 4 Möglichkeiten: meine Nachbarn von oben, mein Nachbar aus der Mitte, angemeldeter Besuch oder der DHL-Bote mit einem Paket für die Nachbarin von nebenan.
So ist das hier, wenn die Klingel sich tagsüber bemerkbar macht.
Über die Nummer mit der Bimmelei in der Nacht haben wir Euch ja unlängst berichtet.

Und dann neulich am Sonntagvormittag zu so’ner Uhrzeit, wo eigentlich gar keiner klingeln dürfte, weil: DHL hat frei, Nachbarn schlafen noch oder machen in family. Wir machten auch in family, d.h. ich spielte mit meinem Sohn in seinem Zimmer. Er liebt Ballspiele, ich aber weniger. Aber als Mutter und so, ihr wisst schon, ich hatte mich da dann doch dazu hinreißen lassen.

Wir spielten also Ball und es klingelte. Ich habe mich sehr erschrocken, denn der Sonntagsuzzellook erlaubt keinen Überraschungsbesuch – niemals erlaubt er das. Das wäre fatal für alle Beteiligten.
Ich gehe zur Gegensprechanlage – ja, dieses Mal benutzte ich sie tatsächlich VOR dem bloßen Öffnen der Tür – natürlich wegen des Gammellooks und so…
„Hallo?!“, fragte ich in den Hörer der Anlage.
„Guten Tag, mein Name ist Wanda Burger“, tönte es mir entgegen. Ich überlege kurz, ob ich diese Frau irgendwo her kenne. Nö.
„Wie geht es ihnen?“,  wollte sie wissen.
Oh, Wanda wollte quatschen und lieb sein. Doch, was will sie wirklich von mir?
Ich werde ungeduldig… Gespräche à la Telefonat über Gegensprechanlage bedeuteten nichts Gutes irgendwie.

„Hören sie, ich habe keine Zeit jetzt. Was möchten sie von mir?“, setzte ich Wanda verbal die Pistole auf die Brust. Sie blieb weiterhin freundlich und sagte: “Ich möchte mit ihnen über Gott reden.“

Oh, nee, ey, Zeugen Jehovas, dachte ich leise bei mir. Was haben ausgerechnet die hier in der bronxx verloren?
Gottesprediger im Trenchcoat und mit Handtasche am Armgelenk mit Perlenkette in der bronxx.
„Und ich möchte das nicht“, blaffte ich sie an.
Wanda war gut erzogen und der Herrgott würde bestimmt auch richtig böse mit ihr sein, wenn nicht…

„Glauben sie nicht an Gott?“, fragte sie zuckersüß zurück.
Die machten mich wahnsinnig. Ausgerechnet im sozialen Brennpunkt zog diese Dauer-Gut-Drauf-Karawane umher, wachte über ihren Turm und wollte hier über Gott diskutieren. Bier, Drogerien, Fußball, Kampfhunde und Udo Lindenberg, kein Thema. Aber doch nicht Jesus, Lattenjupp und der Heilige Bimbam.
Ich gab schließlich auf: “Nein.“

Hilfe, ich kam aus der Nummer mit ihr nicht mehr raus. Die würden Millionen Argumente finden und ich stünde heute Abend noch am Hörer. Obwohl, ich könnte sie noch bitten und sie dann dazu bringen, mit meinem Sohn weiter Ball zu spielen. Dann hätte ich Ruhe, keine Diskussionen über Gott, schön auf dem Sofa relaxen, Kind wäre beschäftigt…
Herrlich, wozu so’n bisschen Glaube doch gut wäre…

Na, ja, ich ließ dann Wanda und ihre Kaffeedamen doch unten, verabschiedete mich höflich und spielte selber wieder Ball …
Mein Sohn und ich lachen noch heute über meinen Plan.
Eines Tages werden wir sie dazu verdonnern… Das schwöre ich bei Gott…



Donnerstag, 19. November 2015

Der Scheiß aus der bronxx



Na, gut, das eine Wort sagt man eigentlich nicht. Aber mein Sohn hat den Titel vorgeschlagen und deshalb setze ich ihn – also natürlich nur den Titel -  jetzt doch genauso in die Überschriftenzeile.
In unserer bronxx hier liegt immer ziemlich viel Müll rum. Wer den so entsorgt, lest ihr in einem anderen Beitrag. Davon berichte ich ganz sicher noch, denn auch das ist eine Geschichte wert.
Heute geht es eigentlich erst mal nur um den Scheiß. Und für den gibt es extra ein Gerät. Dieses Gerät ist weiß und hat in etwa die Größe eines fahrbaren überdachten Motorrollers. Gestern habe ich mir das noch mal ganz genau angesehen, damit ich hier nichts Falsches schreibe und eine korrekte Beschreibung abliefern kann. Ja, Recherche ist auch immer wichtig bei so’nem Blog…
Das Teil hat ein langes Saugrohr und mündet auf einer schwarzen Mülltonne. Ein paar Mal in der Woche wird es hier morgens im Viertel mit einem Auto der Stadt und einem Anhänger vorbeigebracht und abgeladen und dann zuckelt ein Mann damit stundenlang durch die bronxx.


Er hält mit dem großen Geräterüssel brav an jedem Baum, an die Winkel und Ritzen der Häuser, über die Gehwegplatten der Bürgersteige. Er saugt quasi überall alles ab.

Das Ding schient batteriebetrieben zu sein, oder so. Keine Ahnung. Jedenfalls ist da kein Kabel dran.
Es macht etwas Krach und tut treu seinen Dienst.

Der Mann zieht es hinter sich her und der lange Schlauch ist gefräßig. Die beiden sind ein echtes Team. Und das wie gesagt über Stunden. Die beiden haben echt viel zu tun hier. Unglaublich.

Meine Nachbarin erzählte mir vorhin beim Besprechen des Blog-Themas (Yes, sie liest ihn, und es scheint sich rumzusprechen!), dass sie das Ding, also das Gerät, am Anfang gar nicht einzuordnen wusste. 

Ihr Freund hat ihr dann erklärt, dass das doch der Kackesauger sei.
Wir zwei haben uns noch mal kurz geschüttelt bei dem Wort und bei dem Gedanken. Denn, ’n bisschen eklig ist das irgendwie schon… Oder?!

So, und jetzt seid ihr im Bilde, was es mit dem Maschinchen und seinem Bediener da oben genau auf sich hat.
Das ist der Mann mit dem Kotsauger der Stadt Braunschweig, der hier durch die bronxx zieht. Ich weiß nicht so genau, wie er das aushält. So vom Geruch her und von der Optik und so… Aber irgendwer muss ja den Scheiß hier aus der bronxx wegmachen. Einer muss. Zumindest diesen Teil…





Donnerstag, 12. November 2015

Die Leiche



So, nachdem nun der Bann gebrochen ist, gibt es gleich noch eine story über eine weibliche bronxx-Figur.
Bei mir ist sie „die Leiche“ und zwar spreche ich das in etwa so aus, wie es ein Hesse tun würde: Betonung mehr auf dem „e“ als auf dem „i“ und das „ch“ wird zu ’nem ordentlich lang gezogenem weichen „sch“.
Warum? Weil, das klingt nicht annähernd so makaber wie der originale Begriff. Dann ist das Thema nicht ganz so schlimm, falls ihr wisst wie ich meine. Bei dem Titel muss man ja per se schon Angst bekommen…

Als ich sie hier bei uns im Viertel das erste Mal sah, war ich ganz schön geschockt. Auf dem Bürgersteig näherte sich mir eine ziemlich dünne Gestalt, so ca. 1,73 m groß. Ihre Haare waren weiß-grau, schulterlang, sehr dünn und standen recht wirr in alle Richtungen ab. Ihr sehr drahtiger Körper war in eine Leggings und einen Anorak gehüllt. Sie war vom Alter her ganz schlecht einzuschätzen, irgendwas zwischen 60 und 70. Sie schob eine Kinderkarre vor sich her. Und das Bemerkenswerteste an ihr war ihr starrer durchdringender Blick
Mir blieb in dem Moment der Mund offen stehen und es mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Von ihr ging keinerlei Regung aus. Sie bugsierte – starr geradeaus blickend – die Karre vor sich her.

Bei einer unserer nächsten Begegnungen – stellt Euch ein ähnliches Bild vor und tauscht einfach bloß die Farben ihrer Kleidung aus – begrüßte ich sie einfach mal. Sie wohnte offensichtlich auch in unserer Straße und da kann man ja mal „guten Tag“ sagen, dachte ich mir. Ich wollte eine Reaktion von ihr, irgendeine, egal welche. Aber sie wandte nur kurz den Kopf zu mir, nickte fast unmerklich, starrte dann wieder geradeaus und zog schiebend weiter.
Die Kinderkarre fest im Griff.

So ging es über Monate und Jahre hinweg. Bei Wind und Wetter war sie unterwegs. Langsam, fest fixiert auf einen Punkt im Nirwana, einen etwas sehr merkwürdigen Geruch hinterlassend und immer mit ihrem Gefährt im Schlepptau.
Was sie da drin hatte, keine Ahnung, ich habe es vergessen. Es war jedenfalls nie – wirklich echt NIE – ein Kind darin. In ihrem Alter hätte ich eher auf Enkelkind getippt, aber nein, es gab nie eines in der Karre. Diese Karre, die vermutlich auch schon halb so viel Jahre auf dem Buckel hatte wie ihre Besitzerin. Schrottreif, runtergekommen…

Auf mich wirkte „die Leiche“ immer wie eine solche. Irgendwie ferngesteuert aus und in eine andere Welt gehend unterwegs. Einzig gehalten vom treuen Gefährt, das ihr scheinbar das letzte bisschen Bodenhaftung gab.

In diesem Jahr habe ich sie noch kein einziges Mal gesehen. Gut, ich war viel unterwegs und selten hier, aber ich vermute mal, dass es sie einfach nicht mehr gibt. Sollte sie es tatsächlich geschafft haben, ihre letzte Ausfahrt angetreten zu haben?
Dann: R.I.P. meine liebe wundersame Gestalt aus der Zwischenwelt. Komm gut an dort, vergiss Deinen Kinderwagen nicht und bestell liebe Grüße von uns hier. Du fehlst irgendwie doch. Hier in unserer bronxx. Hier, wo alle ihren festen Platz haben und ihre besondere Rolle einnehmen.
Mögest Du in diesem blog ewig weiterschieben…
 

Donnerstag, 5. November 2015

Hiiiiiillllfe!

Mein blogger-Freund und Zeichner Nils – Schwarzer Peter – ist ja zurzeit in Wien und trägt von dort aus seinen Teil zu den Geschichten bei.Er schrieb mich letzte Woche per Mail an und stellte laut die Frage, ob und warum immer nur über Typen geschrieben wird. Mir persönlich war das noch gar nicht so aufgefallen.
Daraufhin begann ich in meinem Gedächtnis zu kramen und fragte auch meinen Sohn. Der ist schließlich immer der erste, der unser Zeug lesen und anhören muss und dann entscheidet, ob es so rauskann zu Euch.
Er brachte mich dann auf die folgende Geschichte:
Ich hatte in dieser lauen Sommernacht wie immer mein Schlafzimmerfenster auf Kipp. Die Standleitung zum Straßenlärm war also aktiviert. Da es  sich aber um die Nacht auf Montag handelte, war eigentlich mit Ruhe zu rechnen. Eigentlich…

Uneigentlich schreckte ich etwa um Mitternacht aus dem tiefsten Schlaf hoch, als ich Hilferufe hörte. Ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass ich nicht (mehr) in meinem Traumkopfkinofilm war, sondern real in meinem Bett in meiner Wohnung in der bronxx.
Eine Frauenstimme rief da draußen um Hilfe. Sie klang ängstlich verzweifelt und ihre Rufe wurden zunehmend lauter. Bei mir setzte eine Art Schockstarre ein, ich war wie gelähmt. Ich hatte Panik und fühlte mit ihr diese schreckliche Angast. Meine Bettdecke, an die ich mich klammerte, nahm den Schweiß meiner Hände auf.

Draußen auf der Straße wurde ein Fenster weit aufgerissen. Und eine Männerstimme rief: „Ey, lass die Frau in Ruhe! Hau ab, sonst komm’ ich Dir da rüber! Lass sie sofort los! Verschwinde!“
Weitere Menschen schienen wach geworden zu sein und mischten sich ein.
So etwas wie das Geräusch eines Handgemenges drang an mein Ohr. Ich war ein kleines bisschen erleichtert.
Auch meine Nachbarn über mir öffneten ihr Fenster und wurden Ohrenzeugen des Ganzen.

Die Frau selbst war inzwischen ruhig geworden und musste nicht mehr um ihr Leben weinen. Sie bekam jede Menge Hilfe von den Anwohnern und aus der Ferne hörte man auch schon die Sirene eines Polizeiautos die bronxx erreichen.
Geschafft…

Noch heute beim Schreiben kocht in mir dieser Schock hoch, das merke ich körperlich recht deutlich.
Später war in der örtlichen Tagespresse auch eine kurze Nachricht über den Vorfall zu lesen: Eine junge Frau wurde überfallen und jemand hatte ihr dabei ihr Handy gestohlen. Durch beherztes Eingreifen der Anwohner und durch Alarmieren der Polizei konnte der Frau rechtzeitig geholfen werden.


Puh, seitdem hatte ich erstmal eine ganze Weile tierisch viel Angst davor, spät abends alleine nach Haus zu kommen.
Andererseits weiß ich aber auch, die Leute in der bronxx passen auf. Sie beschützen sich gegenseitig, wenn man wirklich in Not ist. Sie sind da, wenn man sie braucht. Irgendeiner ist immer wach hier…


Als ich zu meinem Sohn meinte, dass das diesmal aber keine witzige Geschichte wird, sagte er darauf hin nur: „Mama, Du schreibst über die bronxx und das ist eben auch genau diese bronxx.“

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Nur kleine bisschen



Einer wohnt hier bei uns in der bronxx, den nenne ich heimlich „den Rapper“.
Er kennt wohl Noarbäärt auch ganz gut, jedenfalls sieht man die beiden oft zusammen.


„Der Rapper“ ist natürlich kein richtiger Rapper, er zieht sich oft so an, geht fast immer mitten auf der Straße, redet dabei ununterbrochen mit sich selbst und hat die tiefste Männerstimme, die ich je gehört habe.(Und jetzt plauder ich hier mal ein echtes Geheimnis aus dem Nähkästchen aus: ich finde die Stimme sexy und Nils hat mich bei dem Thema nur ganz verdattert angeguckt und mit dem Kopf geschüttelt…. Ja, Mann, ey, ich sag dazu jetzt auch nichts mehr… )

 
Jedenfalls hat wohl der Rapper mal in unserem Haus gewohnt – das war aber weit vor meiner Zeit – und ist dann umgezogen. Die Straße runter, ein paar Häuser weiter. Das hat mir meine Nachbarin über mir erzählt. Sie meidet den Typen, weil er ihr öfter mal aufs Auto rotzt, während sie darin sitzt und losfahren will. Das ist ja wohl auch voll eklig, ey, oder?! Ich habe ihr daraufhin den Einsatz einer Wasserpistole empfohlen. Das fand sie aber nicht wirklich witzig…

Als ich diese story über ihn erfahren hatte, bin ich ihm konsequent aus dem Weg gegangen und hab ihn besser übersehen, wenn ich mit dem Rad an ihm vorbei musste.
Eines Tages war es wieder soweit. Ich musste mit meinem Fahrrad los zum Job und er ging wieder mitten auf der Straße durch die bronxx. Als er mich sah, steuerte er direkt auf mich zu. Oh, Kacke, ich bekam echt Angst. Was kommt jetzt: Anrotzen? Iiiiieeeehhh, ich wollte nicht und ne Wasserpistole hatte ich auch nicht dabei. Ich dimmte mich runter und ließ mir nix anmerken.


Dann hob die tiefste Stimme der bronxx an und sprach zu mir:“ Ey, hallo.
Darf ich Dich mal was fragen?“ Ich erwiderte seinen Gruß und bejahte.
Er weiter: „Sag mal, Du bist ja immer nur unterwegs, was machsten Du eigentlich so beruflich?“
Wie abgefahren, ausgerechnet dieser Typ wollte von mir wissen, was ich so mache. Ich erklärte ihm kurz, was mich jobmäßig so alles umtrieb. Daraufhin zeigte er sich sehr beeindruckt: „Boah, voll krass, ey. Alter, das könnte ich ja nicht. Coole Sache.“
Eine echte Rapperantwort eben. Und sogar mit Lob. Wenn meine Arbeit sonst schon keiner zu schätzen wusste, der Rapper war mit mir. Er wurde mir gleich etwas sympathischer. Das Eis zwischen uns war sozusagen gebrochen.
Gott sei Dank, keine Ängste mehr schieben. Ich war echt erleichtert.



Er wollte sich scheinbar noch weiter unterhalten und machte jetzt auf smalltalk:“ Und, sonst so? Isch mein, wie geht’s Dir so, ey? Alles klar und so?“
„Ja, bis auf eine Erkältung, alles soweit ganz gut bei mir“, ließ ich ihn wissen.
Jetzt kam seine große Stunde und er schien DEN ultimativen Tipp für mich parat zu haben: 

„Du, da weiß ich, was da hilft bei Dir.“ 
Ich so: „ Echt? Sach ma.“
Herr Doktor Rapp verlieh seiner tiefen Stimme etwas verschwörerisches und stieg dann in seine Beratung ein mit den Worten: „Musst Du kiffen.“
Mein Gesicht wollte ich jetzt lieber nicht sehen… Was sollte ich jetzt daraufhin antworten, ohne dass ich mich mit meiner nicht vorhandenen Wasserpistole hätte wehren können?
Ich versuchte es einfach mal mit der Wahrheit: „Du, nee, lass ma, ich stehe überhaupt nicht auf so was.“ Was würde wohl jetzt passieren? Waren meine letzten Stunden hier in der bronxx gezählt? Hilfe!


Er aber blieb ganz ruhig: „Quatsch, musste echt ma machen. Das hilft wirklich.Nur so kleine bisschen. Wirste sehen, Mann.“ Dabei grinste er allwissend und zeigte mit Zeigefinger und Daumen die Menge an, die er mit „kleine bisschen“ meinte.
Dann ging er wortlos zurück auf seine Straße, deutet kurz einen Gruß in meine Richtung an und verschwand im Gangsterrapperwiegeschritt.

Ja, liebe Freunde der bronxx, wenn gar nichts mehr geht, fragen Sie Dr. Rapp. Es geht immer ein „kleine bisschen“. Das weiß wohl auch Noarbäärt. Und, meine Wasserpistole bleibt trocken. Für jetzt jedenfalls erstmal…

 

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Noarbääärt



Heute stellen wir Euch eine richtige Koryphäe – oder wie das heißt – der bronxx vor: Noarbääärt.

Sein Name ist Programm und sein Programm auch…
Er ist hier oft in aller Munde, ziemlich oft sogar. Morgens, mittags, nachmittags, abends und wie sollte es sonst anders sein, auch und besonders nachts. Soviel ist mal klar, der Mann und sein Programm sind heiß begehrt.


Ihr fragt Euch jetzt bestimmt: warum machen die ausgerechnet um den Typen so’n Wind? Was kommt da nun noch? Wieder was mit Alk, oder so?! Gesänge? Oder was?

Nee… ganz verkehrt. Bei Noarbääärt ist das anders. Das geht in etwa so:

Mitten in der Nacht – nehmen wir nochmal diese böse 4:00 Uhr-Zeit, hört man schon von weitem ein quietschendes Fahrrad in der Straße. Jemand strampelt den offensichtlich öllosen und kaputten Drahtesel fast zu Tode. Wahrscheinlich auch selbst mit allerletzter Kraft.
Das Fahrzeug kommt näher und näher und dann ist kurz Ruhe. Wir wissen ja aus Erfahrung, dass jetzt erst der eigentliche Kracher der bronxx kurz vorm Explodieren ist…

Also, Stille. Dann ein Klopfen. Hm, klingt nach Finger auf Glassscheibe. Nun ein raunendes Rufen: „Noarbääärt.“ Ein wenig unterdrückt, denn man will ja eigentlich nur den gerufenen wecken und den Rest aber nicht. Doch, der eine hört das nicht. Mit vorsichtig gesteigerter Lautstärke wird nochmal angesetzt. Und wiederum Fenster pochen. Vielleicht hilft es. Aber es tut sich nix. Der Besucher gibt schließlich auf, Rad fährt weg.

Okay. Gut.
Ja. Nee…

Nach gefühlten 30 Minuten: quietschen. Rad kommt zurück. Man hört förmlich die Not am schnelleren Tritt. Die ganze Szene von vorhin wiederholt sich detailgenau, nur eben noch lauter.
Wieder keine Reaktion.
Der Radfahrer wird jetzt wütend und brüllt den meist beschworenen Namen der bronxx verzweifelt in die Dunkelheit der Nacht. Zornig, aggro und noch was. Aber die Koryphäe scheint zu schlafen und rührt sich nicht.


Tja, Wiedersehen macht Freude, am besten mal tagsüber zu den üblichen Öffnungszeiten. Das denken sich viele andere auch und an manchen Tagen geben sich da echt viele Noarbääärt-Fans die Fensterklinke in die Hand.Nicht jeder kommt mit nem verrosteten Rad, einige parken ihre teuren Schlitten kreuz und quer auffem Bürgersteig. Aber eins haben alle gemein: alle sind immer froh, wenn DER Mann aus der bronxx da ist und sich ihrer annehmen konnte. Richtig erleichtert sind se irgendwie. Und sie kommen auch alle gerne wieder. Noarbääärt ist ja auch echt ’n total netter.

Und mich grüßt er sowieso immer freundlich, obwohl ich noch nie bei ihm geklopft habe…
Aber empfohlen wurde er mir schon. Ja, wirklich.
Mehr dazu jedoch ein andern Mal. Vielleicht in der nächsten story.

Heute ging es ja bloß darum, Euch die bronxx-Koryphäe erstmal vorzustellen.
Das komische Fremdwort kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „jemand, der auf einem bestimmten Gebiet außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt.“ Ein Noarbääärt eben…





Donnerstag, 15. Oktober 2015

Das ist meine Susanne!



Gefühl und Bier
nachts um vier,
das kennen wir
bei uns in der bronxx hier…
Ihr ahnt schon, worauf das wieder hinausläuft, oder?! Aber: diesmal bin ich entspannter. Denn: es betrifft mich nur am Rande. Ganz am Rande. Weil: Ich bin ja keine Susanne. Und: zum Glück war es ein Samstag oder besser gesagt Sonntagmorgen, an dem sich jene Szene in der bronxx abspielte. Wie immer mitten auf der Straße, ungefähr auf der Höhe von der „Udo-Lindenberg-WG“. 

Die von neulich, ihr wisst schon….
Genau da scheint ein guter Ort für Klärungen von Gefühlssachen aller Art zu sein. Jedenfalls standen da offensichtlich 2 Typen, bei denen das ganz genau jetzt soweit war. Und zwar wieder (mit) volle Pulle und so.
„Ey, pass ma auf Alter, das ist meine Susanne!“, kam die relativ klare Ansage vom ersten.
Der zweite ließ sich davon gar nicht beirren: 

„Nee, vergiss das ma ganz schnell, die gehört jetzt mir.“
Okay, also es ging um ne Frau. Haha, wie geil, 2 Typen kloppten sich verbal fuselig um ne Barbe. Ich war hellwach und mir war das mal so was von egal, dass ich nicht weiterschlafen konnte. Mal gucken, was die beiden Hähne sich so alles einfallen ließen. Passierte ja nicht alle Tage, dass de Herren um de Dame kämpften.

„Du, nochma im Klartext, Kollege, die gehört mir. Ich vergesse da ga nix. Zisch ab, das ist meine.“ 
Typ1 wurde jetzt vehementer. Doch Typ 2 hielt locker dagegen: „Lass die Finger von der, Du, das sag ich Dir, sonst…“.
Es ging eifrig ab zwischen den beiden, aber so richtig. Ein Wort gab das andere und sie redeten sich vollkommen in Rage. Ich blieb gebannt dran und war gespannt, ob das ganze noch ordentlich eskalieren würde…

Dann war wie aus dem Nichts plötzlich eine Frauenstimme zu hören, erst fast unverständlich, dann doch deutlicher und nicht weniger abgefüllt als ihre beiden Buhler: „Aber… aber ich heiße Sabine..“.

Bäm…
Totenstille…

Wie geil! Jetzt waren se sprachlos, die beiden Strategen. Und ich  feixte mir eins… das ganze Gerangel völlig für umme und dann war den beiden am Ende auch noch die Susanne durche Lappen gegangen. Herrlich! Tja, manche Probleme hier im Viertel lösten sich eben so ganz anders als man denkt und vor allem von selbst.

Danke fürs Wecken, meine lieben bronxxler. Vielleicht klappt es ja bei der nächsten Sybille oder Claudia oder wie se nicht alle heißen… Ich kaufe ein „S“ und löse auf…