Donnerstag, 25. Juli 2019

Es tut nicht weh im WRG

Mit 'ner Hose voller Schiss habe ich mich auf den Weg gemacht zum schwarzen Peter. Ich habe viel Urlaub - YEAH ENDLICH - und noch viel mehr Zeit. Zeit für Dinge, für die bisher irgendwie immer keine Zeit war. Aber heute! Heute ist der Tag. Der Tag für Bild aufs Bein, bei Nils. Also nicht nur im Blog, sondern auch auffem Körper verewigt er sich als Künstler. (Mein Sohn schaute mich übrigens bangend und fragend an, als ich ihm von meinen Plänen erzählte. Sein einziger Wunsch: bitte nicht seinen Vorname in Schnörkelschrift auf Mamas Unterarm mit Geburtsdatum und allem Chichi!)
Ich habe auch Angst, aber 'ne andere und die richtig dolle. Echt jetzt ma. Wird es weh tun? Und, wenn ja, wie viel? Das letzte Mal ist gute 30 Jahre her und ich erinnere nichts mehr. Na,ja, jetzt bin ich erstmal beim schwarzen Peter in seinen heiligen Hallen gelandet. Ich liege auf der Liege und harre der Dinge, die da kommen. Wir haben in den letzten Tagen schon einiges besprochen, das Motiv steht und nach 20 Minuten prangt es dann als Vordruck auf der Fessel meines rechten Beines. 

"Och, können wir so lassen", sagte ich augenzwinkernd zu Nils. Insgeheim hoffe ich, dass das alles war und ich jetzt nach Hause kann. Aber nix da, wir sind nämlich nicht zum Spaß hier.
Der schwarze Peter schraubt derweil sein Maschinchen zusammen, knöpert es an der Lampe fest, schmiert nochmal Vaseline auf den Vordruck, füllt schwarze Farbe ab, knipst den Schalter an und dann rattert es los. Die kleine Nadel da vorne am Gerät rattert und schnurrt sich mit lautem Geräusch durch das Zimmer. Einmal in die Farbe tunken und dann darf sie sich in die Haut bohren. Meine Haut, da unten am Bein. Und da ist sie schon, die Nadel mit der schwarzen Tinte in meiner rechten Fessel. Sie bohrt sich gefühlt durch Mark und Bein und ich kralle meine Fingern in den Oberschenkel. Dann fängt es plötzlich fürchterlich an zu kitzeln und ich weiß nicht so genau, was ich nun machen soll. Lachen oder aufschreien. Man will sich ja auch nicht blamieren hier vor dem Freund und eine bronxxerin kennt schließlich keinen Schmerz.
Es ist ein bißchen wie beim Zahnarzt oder beim Frisör: wenn man nicht hinguckt, wird es besser. Nils arbeitet sich konzentriert durchs Motiv, verrenkt sich, wischt und prüft jeden Zentimeter akribisch nach. Ich schaue ab und an doch hin, langsam wird der Schmerz weniger und ich überlege leise, was für Tattoos ich eigentlich noch wo gerne hätte...
Nach 'ner guten Stunde kommt erstmal das obligatorische Knipsen für Instagramm und dann die Salbe und die Folie. So stolziere ich dann durch das WRG nach Hause. Die bronxx ist um ein Bildchen reicher, mein Körper auch. Ich bin glücklich und:"Mutti, er hat gar nicht gebohrt!" Nein, er hat elektrisch gekritzelt und das ganz wunderbar. Und wenn ihr das wollt, könnt ihr das auch. Haben natürlich, denn Können kann das der schwarze Peter.  Fragt ihn einfach mal.
Und so tut es gar nicht weh bei uns im WRG...

Donnerstag, 18. Juli 2019

Das funzt

Sie war schon mal ausgiebigst Thema hier im blog: das Gasdingens in meiner Küche, das nun endlich neu ist, immer noch bestens läuft und durch dass ich meine Heizung sogar mit Fernbedienung minütlich neu programmieren könnte, wenn ich denn wollte. Denn, wer hat der kann. Das war schon immer so. 
Das dachte sich auch wohl auch die Therme im Flur des Nachbarn vom schwarzen Peter. Letzterer war da nämlich neulich zu Besuch und am Nachmittag desselben Tages war unser blogger-Gruppenchat um ein Filmchen reicher. - Jupp, wir haben dort einen regen Austausch und das ist quasi auch unser Sammelbecken für neue stories für Euch. Alles, was sich hier inne bronxx tut, irgendwie fotogen ist oder sonstwie ins Smartphone gebannt werden kann, landet erschtemal hier auffen Tisch. Und dann wird geguckt, ob man das verwursten kann. Quasi die rasenden Reporter aus dem WRG, ohne Benjamin Blunmerante und Karla K. -
Zurück zum Film: zunächst dachte ich, dass das wieder so ein kleines Horrorvideo ist, wie sie einen zeitlang im Netz grassierten. Ihr wisst schon, da, wo plötzlich nach Minutenlanger Gruselmusikuntermalung eine puppenähnliche Fratze ins Bild springt und Dich kreischend zusammenfahren lässt. Doch, der kurze Clip war vom schwarzen Peter eigenhändig gedreht worden und mit Mucke war da nix. Stattdessen zeig das Objektiv janz jezielt auf eine Gastherme, die sich offensichtlich linker Hand in einem kurzen Flur in einer kleinen Wohnung in der bronxx befindet.
Die Küchentür am Ende des Flures ist offen, spendet quasi die Hintergrundbeleuchtung und aus dem Off (wieder Hintergrund, aber ich musste literarisch nun mal irgendwie die Wiederholung umgehen) waren vermutlich Fragmente eines laufenden Fernsehers zu hören.
Die Kamera hält jedoch tapfer auf das Thermengerät. Es ist so eine alte, wie sie früher bei mir hing: überdimensional groß, weißer Metallkasten, faltiges Rohr am Ende, das an eine Monsterraupe erinnert und innen ist eine Flamme zu sehen. Insgesamt dient der Apparillo in Kombo der Raumbeheizung und der Warmwasserbereitung, eigentlich klar, nech?!
Doch weiter im Film (45 Sekunden können verdammt lang sein): Die Klappe des viereckigen Rechteckgerätes steht sperrangelweit offen. Das Auge das Betrachters ahnt, dass hier wohl gleich etwas wichtiges passieren wird und muss. Und schon geht es auch los: ticker, ticker, ticker... Das Geräusch kenne ich. Wenn meine Eltern früher den Gasherd angemacht haben, dann wurde gefühlt eine kleine Zeitbombe aktiviert. Nun kam der Moment, wo Muttern mit dem brennenden Streichholz oder so'ner komischen grauen Pistole an das tickernde Zündedingens herantraten und es aktivierten.  
Im Film wird sicher Nils Nachbar in Küche oder Bad den Warmwasserhahn aufgedreht haben, um die Therme in Fahrt zu bringen und nun tickert sie los. Solange, bis sie nach etwa 2-3 Sekunden in einem lautstarken Wums angeht. Ein bombiges Szenario und wir wären ja nicht hier bei uns inne bronxx, wenn es nicht noch den Extra-Highlight-Spezial-Effekt obendrauf gäbe: Aus der offenen Luke entlädt sich, parallel zur Explosion, die Flamme gute 10 cm ( in Worten: zehn) waagerecht (in Worten: statt senkrecht hinterm Metall) mitten in den Flur hinein.
Oh my god... Der Schreck sitzt mir bei jedem Betrachten des Clips wieder neu in den Knochen. Eine tickende Zeitbombe, die da an der Wand hängt. Und aufmerksam freundlich dazu, denn wärest Du Raucher, würde sie Dir immer Feuer geben. Und hättest Du so lange Arme, dass Du gleichzeitig in der Küche den Warmwasserhahn aufdrehen UND im Flur mit der Fluppe im Gesicht vore Therme rumlungern könntest, wäre das perfekt. 
Also, wie ümmer sind wir wieder mal ganz nah am Puls der Zeit oder eben noch näher am Wums der Gastherme. Funzt hier bei uns inne bronxx...

Freitag, 12. Juli 2019

Unt auch mit alles

Wer in der Fliegerhalle klettern geht, der wird auch hungrig. Klar und wer schlau ist und seine Gastronomie dann rund um den Westbahnhof ansiedelt, der hat fast schon gewonnen. Wobei, in diesem Fall liegt die Betonung eben besonders auf "fast".
Vor gut 2,5 Wochen tummelte sich ja dreiviertel der blogger-Belegschaft auf dem Flohmarkt herum. So wollten mein Sohn und ich auch endlich mal wieder einer alten Leidenschaft nachgehen und nach gebrauchtem Zeugs jagen. Mitten am Sonntag früh aufgestanden und raus aussem Haus, mit dem Rad das Ringgleis abgeheizt, um dann auf Höhe Celler Straße leider Gottes kapieren zu müssen, dass es nicht der geile Ringgleisflohmarkt sondern nur der am Westbahnhof ist. Boah ey, Kommando volle Kartätsche (hab' extra im Netz nachgeguckt wie das geschrieben wird) zurück und beim Bahnhof im Westen angehalten, Räder angeknöpert und ab ins Getümmel.
Nach 20 Minuten waren wir durch, die Kletterrose um ein Teilchen aus der Pinkabteilung reicher und dann konnte ich Sohnemann wenigstens noch zu einem Eis bei Coney einladen. Kugel lutschend und schlürfend fiel mein Blick dabei auf ein Banner, das - zwischen zwei Birken geschnürt - Grillwaren anpries.
Och Mönsch, gucken kostet ja nüscht, Eis untern Arm geklemmt und ab umme Kurve den Grill suchen. Aber die weitsichtigen Augen und das feine Näschen fanden irgendwie nicht das, was sie suchten. Fliegerhalle - check, Bäckereischild - check, smart repair - check, aber keine Imbiss zu sehen. Doch, jetzt, warte, da... Inmitten des Maschendrahtzauns wird eine verschlossene Tür sichtbar und dahinter zeigt sich eine Holzbude mit einer riesigen Speisekartentafel zur linken. Manchmal hört man den Grill vor lauter Grillen eben doch nicht und merkt gar nicht, dass man ganz genau davor steht. Aber zu bleibt zu und so können wir uns erstmal nur belesen statt befressen.

Die Menüvorschläge und Getränke sind in großen Bildchen auf einer Tafel abgebildet. Beim ersten Hinschauen hat es was von Lackbildchen aus dem Poesiealbum. Es fehlen jedoch die Gedichtchen. Stattdessen hat da einer mit `nem schwarzen Edding in annähernd deutscher Sprache die Namen der Gerichte neben die Bildchen geschrieben. Jeder Lettering-Liebhaber wäre neidisch geworden. Dieser Style ist wahrhaftig einmalig und Konrad Duden durfte auch nicht mitspielen - trotz oldschool und so. Der Grafikexperte hatte sich da mal eben fix allein ausgetobt und keinen gefragt, der sich damit auskennt.
Und so war er es gewiss auch, der Gyros unt Pomes auf die Tafel brachte unt vieles mehr.
Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr wieder raus. Und kennt ihr das, wenn man sich gefühlt in einer Zwischenwelt zwischen Ekel und Faszination wiederfindet und nicht so genau weiß, was man jetzt machen soll mit dem, was man da sieht und liest und überhaupt? Wäre die Bude offen gewesen, hätte es wohl erstmal ein Schnaps getan und dann hätte man geguckt, ob keiner guckt und ob die mich für sich und ihren Grill gewinnen können. Ich tippe mal... fast... fast gewonnen.

Na, ja, man kann nicht immer der Sieger sein unt auch nicht mit Pommes bei. Jedenfalls nicht bei uns inne bronxx...

Donnerstag, 4. Juli 2019

DREI - ZWEI - EINS - DEINS?!

Tja, wer hätte das gedacht. Also ich ehrlich gesagt nicht und eigentlich so recht keiner von uns. Wir sind beim 2. Band von unserem bsbxx.blog angekommen. Hurrah! 
Wie das alles so kam? Also eins gleich vorweg: für die, die noch nie unser erstes Buch inner Hand hatten, erkläre ich jetzt aber nicht alles von Anfang an. Da hilft einfach mal nur Band 1 kaufen und  lesen, fertig und Ende der Diskutierungen.
Die Entstehung des zweiten Büchleins - quasi fresh from the WRG - ist dagegen recht einfach: Das erste war raus, kam gut an bei Euch, wurde in zwei abendlichen Lesungen von vielen Fans und Neulingen abgefeiert und liegt auch echt schon in der Braunschweig-Abteilung bei Graff. Die Ding war also geritzt und die Nummer durch.
Da dachten wir uns mal so eben spontan vor ein paar Wochen als das Jahr noch ganz früh war, das wir noch ein Teilchen hinterherschieben. Genug Geschichten, jeden Donnerstag frisch auf den Tisch äh hier auf die Blogpinnwand, gibt es ja und dann klöppelt das der schwarze Peter in seiner Funktion als Grafiker und Kritzler mal eben - sprich er ist noch dabei - fix zum zweiten Band zusammen.

Die anderen beiden bsbxx-Mitglieder und Schreiberlinge, the_climbing_rose und der Bürger M., gaben ihr Ja und Amen bei der gemeinschaftlich demokratischen Ziehung der Hauptgewinnstories für das neue Druckwerk dazu und dann war es quasi auch schon so fast halb gesetzt.
Frau Tanja P. macht momentan noch das Lektorat und dann können die Druckdaten asap (as soon as possible = sobald wie möglich) nache Druckerei hin.
Und dahann, ganz bald, wenn hoffentlich alles gut über die Bühne und durch die Walze und den Beschnitt gegangen ist, werden wir und ihr das 2. Exemplar des bronxx-Blogs in den Händen halten. Und die bronxx hat wiederum einen guten Grund mehr, ihre skurilsten und schrägsten Geschichten im Hier und Jetzt und in grauer oder bunter Zukunft zu feiern, nachzulesen und Stolz auf sich zu sein.
Also DREI verrückte bsbxx.Blogger machen ZWEI Bücher über das Braunschweiger WRG und EINS davon ist vielleicht DEINS!
Ach so ja, die ersten druckfrischen Schätzchen, also Bücherse, werden am 24.08.2019 bei unserer Lesung im MokkaBär bei Ollo zu haben sein.
Da geben wa uns nämlich die Ehre. Mit Kakao, mit Autogrammsdingsbums und viel Spaß anne Backen!
Aber nicht weitersagen, denn hier inne bronxx is das ruckzuck rumm…






Donnerstag, 27. Juni 2019

Flohmarkt mit Maden

Einmal im Jahr findet der Flohmarkt am Ringgleis statt und in diesem Jahr war ich (Madame Miez) sogar mal zu Hause und habe mich gefreut, dort ein wenig flanieren zu gehen. Flohmärkte sind toll – es gibt so viel zu sehen, besonders, wenn es keine gewerblichen Stände gibt. Das Sortiment der feilgebotenen Waren war groß und reichte von Büchern über jegliche Art von Klamotten, Brettspiele, Skurrilitäten, Dekoartikel und auch die kulinarischen Wünsche kamen nicht zu kurz. Es gab sowohl einen Stand für den süßen Zahn mit Unmengen von Kuchen als auch eine fleißige Waffelbäckerin und einen Stand für die Liebhaber der pikanten Küche. Es grenzte schon an Folter, einfach so, ohne wenigstens zu probieren, vorbeizugehen und die leckeren Düfte folgten mir noch viele Stände weiter. 

Ich hatte zwar vorsorglich ein wenig Geld einsteckt, wollte aber natürlich nichts kaufen. Ich brauch ja nix. Ich will ja nur gucken. Is' schon klar, ne? Mein erster, unschuldiger Kauf bestand in einer Tüte selbst gepflückter Kirschen. Das war ein reiner Gesundheitskauf, wegen der Vitamine und so, und zählt daher nicht. Mit den Kirschen im Gepäck kam ich dann an einem Stand vorbei, an denen zwei junge Mädchen auf einer Decke saßen und Kleidung verkauften. 
Halb verdeckt von Hosen und Blusen winkte mir etwas Cognacfarbiges, Jackenartiges zu. Seit 2 Monaten war ich schon auf der Suche nach einer Jacke in eben diesem Farbton. Reflexartig gab ich die Kirschen meiner Freundin, zog die Jacke erst heraus und dann an – es waren zwar 25 Grad und damit definitiv kein Jackenwetter, aber das musste sein. Und siehe da – sie passte perfekt! Sowohl die Jacke als auch ich waren entzückt und es war klar, dass wir zusammengehören. Was soll man da machen. Papageien und Jacken suchen sich ihre Partner selber aus. Für günstige 10€ teilte sie sich nun mit den Kirschen meinen Arm. Auch dieser Kauf zählte strenggenommen nicht zum Flohmarktkauf, schließlich hätte ich im Laden noch einiges mehr dafür ausgeben müssen und - ich brauchte sie. Und außerdem handelte es sich um eine geschützte Jackenart.
Das muss Frau unterstützen! 

Glücklich über diesen Fund flanierten wir noch ein
wenig hin und her, bis uns nach einer Abkühlung gelüstete. Und wir wussten auch schon, wo – bei Coneys Iceland, wo Micha hinter seinem kleinen Tresen steht und u.a. Eis verkauft. Praktischerweise ist sein Eisstand direkt am Ringgleis. Dort angekommen erwartete uns eine interessante Auswahl an Eissorten. Ich wählte salziges Karamell und Schoko –das geht immer, und meine Freundin interessierte sich für Black Mamba und rätselte, was wohl darin sei,
denn das Eis war tatsächlich fast schwarz. Aber am Ende war die Erklärung doch schmuckloser als gedacht. Wer an Eis aus Schlangeningredienzien hoffte, wurde enttäuscht (oder auch nicht? Ich bin für Eis ohne Fleischeinsatz, nennt mich
konservativ...) – es war leckeres Kirsch-Sahne-Eis. Auch mein salziges Karamell war eine Wucht. Der Flohmarkt war ein voller Erfolg und die Sonne beschien meine guten Käufe. Daheim angekommen musste ich meine Jacke erst einmal
ausgiebig im Spiegel bewundern, was diese wohlwollend hinnahm. 
Dann wusch ich die Kirschen und naschte schon die ersten direkt in der Küche. Während des Naschens kam mir plötzlich ein Gedanke, ich nahm ein scharfes Messer, ritzte eine der dicken Kirschen in zwei Teile und teilte sie. Aus dem Fruchtfleisch winkte mir eine Made. So ein Mist. Ich hatte es irgendwie geahnt und schaute jetzt auch bei den nächsten Kirschen nach. Alle mit Fleischbeilage. Mistmistmist. Das war eindeutig ein Flohmarktkauf. Oder vielmehr ein Madenkauf. Aber nachdem ich die lecker aussehenden Kirschen nun nicht mehr weiteressen wollte, konnte ich sie dann wenigstens noch weiterverschenken. Der nächste Besitzer glaubte nicht an Maden in Kirschen und aß sie ohne Bedenken. Merke: Auf Flohmärkten ist man auch vor Maden nicht sicher. Aber lasst euch eure anderen Käufe nicht madig machen. Meine Jacke jedenfalls ist schön. – von innen und von außen!

Donnerstag, 20. Juni 2019

Rauchen, sparen und genießen

Kennt ihr diese Bilder, die von kleinen Dingen, Tieren und Menschen nur so wimmeln und man einen bestimmten Gegenstand darin suchen muss, so ähnlich wie einen Fehler im Bild? Mir (Madame Miez) begegnen von Zeit zu Zeit diese Wimmelbilder – aber in echt. Wer mit offenen Augen durch unsere Bronxx geht, sieht viel Kurioses und ordentlich viele Wimmel. Dies zum Beispiel:





Was an diesem Bild ist falsch? Hm. Zunächst einmal handelt es sich um stinknormale Zigarettenwerbung an der Straßenbahnhaltestelle Luisenstraße, und zwar für Großpackungen, weil man da mehr sparen kann. Offenbar ein Mann hält zwei Großpackungen in der Hand, die mit einem abschreckenden Foto und dem Hinweis „Rauchen mindert ihre Fruchtbarkeit“ versehen sind. Seit einigen Jahren müssen auf sämtlichen Raucherverpackungen solche Hinweise prangen, damit der Konsument merkt, dass er nicht nur raucht, genießt und spart, sondern eventuell auch davon krank wird oder an Folgeerkrankungen stirbt. Viele verschiedene, teils gruselige Bildchen habe ich schon in den Warteschlangen im Kassenbereich gesehen und dabei gedacht, wäre ich Raucher, könnte ich in einer Raucherrunde ein geselliges Krankheitsquartett spielen. Je nach Bild kann man sich gegenseitig ausstechen, und der Sieger bekommt einen neuen Glimmstängel. Wie beim Skat kloppt man die Tabaktüten vor sich auf den Tisch und ermittelt den Sieger – Arterienverkalkung schlägt schlechte Zähne, z.B. Bei anderen Bildern dagegen wird die Wahl, was schlimmer ist, schwierig. Naja, aber ich rauche nicht und habe deswegen keine Gruselbildchen zum Stechen.
Jedenfalls beinhaltet diese Zigarettenwerbung nicht nur den kessen Slogan „Rauchen, genießen und sparen“, sondern hat als Warnung noch die drohende Unfruchtbarkeit im Gepäck. Die Kombination aus beiden ist merkwürdig, grotesk und zum Brüllen gleichzeitig. Hat da keiner vorher nochmal draufgeguckt? Oder steckt da ein Plan hinter? Eine subtile Botschaft? Ist das die böse Idee des Werbegrafikers, der seine Frau und seine Kinder hasst? Möchte er unterschwellig auf die Gefahren einer Familie aufmerksam machen, indem er zum Slogan „Rauchen, genießen und sparen“ das Bild von Unfruchtbarkeit gesellt?
Ich stelle ihn mir vor, diesen Typen mittleren Alters, nennen wir ihn Ernst. Ernst ist schon ein wenig eingeschrumpelt und ausgesaugt von seinem anstrengenden Job und den Wünschen seiner Familie. Er hat auch nur noch drei Haare auf dem Kopf, den Rest hat ihm seine Familie vom Kopf gefressen. Genervt sitzt er an seinem nächsten Projekt, denn der nächste Urlaub in der Türkei wird wieder nicht billig. Und während er an der Zigarettenwerbung arbeitet (er arbeitet von Zuhause), nerven ihn seine Kinder, sie bräuchten ganz dringend und SOFORT dieses neue Playstation-Spiel, das gerade alle spielen, und außerdem hat der Kleine seine Cola auf Ernsts Zigaretten-Stopfstation verschüttet, wo schon die fertig gestopften Vorräte für die nächsten zwei Tage liegen; seine Frau macht Alarm, weil er schon wieder nicht mit will zu Tante Hedwig nach Blankenburg, und dabei freut sie sich doch jedes Mal so, wenn er dabei ist. Sie schnattern und reden und nerven vor sich hin, während Ernst versucht, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Und irgendwann ist dann der kritische Punkt erreicht -Ernst sieht rot. Er könnte jedes Bild aus dem Raucherquartett für das Projekt nehmen, die schlechten Zähne zum Beispiel, meinetwegen auch das Raucherbein. Aber ganz bewusst sucht er das richtige Bild zu seiner Situation. Und zum Slogan:
Familie? Euer Ernst?! Raucht lieber (ist außerdem eine günstige Verhütung), spart (Geld für eine kaufwütige Ehefrau und undankbare Blagen) und genießt (allein)! Bäm!! Das ist mal ne´ harte Nummer. Ich lache noch darüber, als ich in die Straßenbahn einsteige und in Richtung Innenstadt fahre. Armer Ernst. Ob er wohl am Ende doch noch mitmusste zu Tante Hedwig?
Ernst? Ach komm, jetzt schmoll doch nicht. Ernst? Hallo?...aber Ernst hat keine Sprechstunde mehr. Er hat sich auf dem Klo eingeschlossen, qualmt feuchte Zigaretten mit Colageschmack und wartet, dass seine Familie nach Blankenburg fährt – ohne ihn. Und mir bleibt seine Werbebotschaft.

Donnerstag, 13. Juni 2019

Lattenjupp

Ach ja, mein ganzes Leben träume ich schon davon, dieses Wort endlich mal in irgendeinem schriftlichen Beitrag verwenden und  verwursten zu dürfen... Und, siehe da, ausgerechnet in unserem Blog isses denn nun soweit. YEAH!
Das erste Mal hörte ich den Begriff "Lattenjupp" in meiner Kindheit, nämlich als ich die Wurzeln der Familie mütterlicherseits in Trier ergründen und besuchen konnte. Die älteste Stadt Deutschlands, weil ja frömmelich bis zum Abwinken, hing voller Jesusse am Kreuz an jeder Ecke. Aus der Ferne und von der Metaebene her betrachtet ein wahrlich nicht so schöner Anblick, ziemlich sadistisch und irgendwie fehlt mir schon länger auch die Möge, da eine positiv religiöse oder gar ehrfürchtige Haltung einzunehmen. Umso genialer fand ich es dann in Kindertagen, dass meine Verwandten in etwa 3. oder 4. Grades ihre eigene Wortkreation für diese Holz-Mensch-Performance hatten: Lattenjupp und Jupp (v)an der Latt. Also quasi der Joseph, der Zimmermann war, irgendwas mit Holz machte und später selbst daran festgenagelt wurde. Jessesmaria!

Wer denn jetzt mal denken tut, dass de Kletterrose gefälligst mal auf den Punkt kommen und erklären könnte, was das da oben nun alles mit de bronxx hier zu tun haben machen täten tute, der liegt verdammt richtig. Macht se ja auch schon.
Wie seinerzeit der Nacktarsch scheint sich hier wiederum noch eine absolut immanente Erinnerung aus Kindheitstagen nun auch hier in ihrem (halbwegs) erwachsenen Leben im WRG breit zumachen und sie sozusagen einzuholen. Nämlich der besagte Lattenjupp. 

An dieser Stelle folgt erstmals eine kurze Pause für die Werbepause, genügend Zeit also, um das Kopfkino auf Wohldenktemperatur laufen zu lassen: Da hat sich am Fränky einer ans Kreuz nageln lassen? Oder: Öffentliche Hinrichtung eines langhaarigen (Bombenlegers), nur mit einer Kronkorkenkrone auffem Kopp und einer zerschnippelten NP-Tüte umme Hüfte?
Nö, nüschde von alledem, aber fast nah dran. Janz normaler WRG-Bewohner geht am hellichten Tag in Richtung Supermerkato Deines Vertrauens, sicher das Portemonnaie (ja, ich schreibe das verdammt nochmal trotzdem so!) inne Täsch, wieder mal keinen Jutebeutel dabei, nicht mal einen Rucksack, und nein, auch keine Pulle am Hals oder/und inner Hand, sondern... tadadadaaaa... eine Latte unterm Arm. Ja, nee, nicht die, die aus Holz. Die, die, wo alle am Zaun haben und eben ein bis zwei ja nun wohl nicht mehr. Genau diese.
Holzig, lang, wahrscheinlich mit dem hochgiftigen Xyladecor angepinselt und sich dabei nichts gedacht. Bestimmt auch schon etwas verwittert, mit nem Hauch Moosi an verschiedenen Stellen und sicher muss er auch hübsch aufpassen, dass sich der Unterarmträger keine Splitter einfangen tut.

Und jetzt? Tja, weiß ich auch nicht, ehrlich gesagt. Keine Ahnung, vielleicht hat er größeres vor, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht hatte er nen Auftrag? Möglicherweise hat er auch nur einen schräg?
Man weiß es nicht und ich kann auch nicht alles wissen und ich will auch nicht immer alles wissen. Ich bin doch nicht Jesus, oder watt?!