Donnerstag, 2. Juni 2016

friday bloody friday

Schon wieder so ein englischer Titel als blog-Überschrift... Ja, auch vor uns in der bronxx macht diese Sprache nicht halt.
Eigentlich sollte da auch sunday statt friday stehen. Ein uralter Song einer meiner Lieblingsbands aus dem Jahre 1983. Aber... Ich bin mir heute nicht mehr ganz sicher, ob es wirklich ein Sonntag war. Freitag würde besser passen. Und, letzten Endes egal, denn schlimm genug war es auch so.
Also, wer zart besaitet ist von Euch, sollte genau jetzt die (Web)Seite wechseln. Das ist nix für schwache Nerven und bronxx heißt ja nicht umsonst bronxx.


Als ich vor Jahren hier meine Recherche bezüglich der Dreiecke im Viertel machte, gab es gut eins bis zwei Tage vor meiner Pirsch wieder mal eine von diesen Nächten, die gerade hier besonders gefährlich und heftig sind.
Zwischen eins und vier geht's ja bekanntlich ab hier. Und so wurde ich auch in jener Nacht wach, weil sich in unserer Straße um diese Uhrzeit da unten, unweit von meinem Schlafzimmerfenster - auf Kipp -, etwas ungutes zusammenbraute.
Die Unruhe kroch durch den Fensterspalt zu mir ans Ohr und weckte mich. Menschen, Stimmen und eine gewisse Hektik waren zu hören und zu spüren. Ich spitze die Ohren, verzog mich wie gebannt unter meine Decke und wartete ab.
Kennt ihr das? Dieses Gefühl, wenn man genau weiß, gleich passiert hier wieder was und das wird nicht wirklich gut sein...

Ich blieb ganz still, war hellwach und hatte Angst: Was kommt jetzt? Wieder ein Überfall? Eine Frau in Not? Klingelts gleich an meiner Tür?
Bah, ich mag dieses Zustand nicht, der versetzt mich echt in Panik und macht mich hilflos... Ich kann nichts tun und einfach weiterschlafen geht dann auch nicht...


Verkrampft blieb ich also auf meinem Bett sitzen und harrte der Dinge die dann kommen. Die Stimmen waren etwas entfernt, sodass ich nicht wirklich Details der Auseinandersetzung verfolgen konnte. Lautstärke und Hektik ließen jedoch auf Stress aller Beteiligten miteinander schließen. Puh! Sie stritten sich. Um was auch immer. Laut von weiter unten in der Straße. Vermutlich da rechts bei den einstelligen Hausnummern. Ich versuchte mich daran zu erinnern, wie die Häuser da wohl aussehen. Innen drin hoffte ich inständig, dass die ganze Szenerie sich ganz schnell in Luft auflöste und ich einfach weiterschlafen würde.

Dann kam ein Knall, dem gleich noch einer folgte. Schock! Was war das??? Wurde da geschossen? Keine Ahnung, ich weiß nicht, wie Pistolen sich anhören, wenn man da auf den Auslöser drückt... Woher auch?

Kurz danach war Stille, alles war mucksmäuschenstill, rein gar nichts war mehr zu hören. Alles ruhig. Und auch keine Polizei, kein Krankenwagen, einfach nur Schweigen. Ich fing langsam an, mich zu entspannen. War wohl nix... wieder Dramakopfkino gefahren und völlig unbegründet. Manchmal gibt es ja in der Natur auch so ein Wetterbedingtes Knallen, was alle in Angst und Schrecken versetzt, im Grunde genommen jedoch nur auf irgendwelchen Entladungen beruht...
Glück gehabt, Gott sei Dank! Ich konnte endlich entspannt in die Kissen sinken und beruhigt einschlafen. Was ich auch immer habe; typisch Frau, oder?!

Zwei Tage später zog ich los auf meine Dreieck-Graffiti-Recherche und mein Weg führte mich logischerweise als erstes durch unsere Straße. Auch da entlang bei den einstelligen Hausnummern. Auf dem Bürgersteig zeichneten sich auf einmal einige rote Sprenkel ab, die sich Meter für Meter dichter auf den Gehwegplatten drängten. In mir kroch die alte Angst hoch und ich versuchte, mich selbst zu beruhigen: "Das sind Spuren von zertretenen Beeren... Da hat jemand einen Hagebuttenteebeutel rumgeschleudert...Alles gut."
Ja, nee, nix gut. Wenn kein Herbst ist, gibt es keine Beeren auf den Bäumen und die Nummer mit dem Teebeutelweitwurf war auch irgendwie ein Lacher... Je weiter ich ging, desto näher kam ich dem ganzen... Eine noch nicht ganz getrocknete Blutlache an einer der Häuserecken, weitere fette Spritzer an der Hauswand.Tatort. Nur in echt. Kein Filmblut sondern echtes.


Mir wird eben auch noch ganz schlecht und mir ist ganz kalt, weil mir der Kreislauf abhaut, wenn ich das schreibe und lese.
Scheinbar waren es wirklich Schüsse... Ich weiß es bis heute nicht. Der Fleck ist lange schon weg, aber diese Ungewissheit und das vermutet Ausmaß der Situation bleiben. Bleiben als Spur in meinem Kopf und als Spur des Lebens. Hier bei uns in der bronxx...

Donnerstag, 26. Mai 2016

Biggy goes EM

Es ist Samstag. Die Sonne scheint. Bestes Wetterchen. Fast Sommer in der bronxx.
Und ich bin wieder mal mittendrin unterwegs zum Einkaufen. Vorbei am Marktstand auffem franky. 

Und auch bei Biggy komme ich vorbei. Bei Biggy ist heute richtig action.
Biggy rüstet auf. Wegen Fußball und so. Pokal-Finale und EM werfen ihre Schatten voraus. Ebenso die neue Markise, die gerade an der Außenfassade vom Kiosk angebracht wird. Schließlich sollen es die fleißigen Biertrinken richtig schön schattig haben, wenn die Sonne ihnen auf den Kopp brezelt. Zu heiß ist auch nicht gut...

Sonnenschirme sind out, nehmen unnötig Platz weg und sind eben irgendwie nicht so richtig schick. Deshalb hat Biggy einen patenten Handwerker engagiert, der nun aus ein paar Holzbalken und aus lang die Meter Plastiklackfolie - kennt ihr vielleicht von Tischdecken - einen Sonnenschutz zaubert. Und weil man ja hier in Braunschweich is... natürlich in blau und gelb... is klar, ne?!
Es dauert jedenfalls nicht lange und dann steht äh hängt dat Ding anner Wand. Der Mann mit der Bohrmaschine, dem Hammer und den Nägeln hat richtig rangeklotzt. Zack noch eine Bahn weiß-blau-gestreifte Folie in Sitzhöhe an die Hauswand und eine zweite blaue Gartenbank davor, fertig ist die kleine neue Chillout-Zone in der bronxx. Schön mit Sitzkissen und allem Schnickschnack. Fast wie Terrasse. Am gleichen Nachmittag wurde die auch schon ordentlich frequentier, begossen und für gut befunden. Dem anschließenden Finale des DFB-Pokalspiels stand nun nix mehr im Wege. Außer ein paar verschossene Elfmeter, aber das ist ein ganz anderes Thema.


Auch für die EM sind die Plätze in der ersten Reihe sicher. Endlich braucht niemand mehr ungeschützt im bösen Sonnenlicht am Pissoir auf dem Betonbänken zu verharren und Angst haben, dass er sich einen Sonnenbrand einfängt. Biggy hat jetzt ein lauschiges Plätzchen im Schatten für alle durstigen Kehlen. Den besten... Im großen Schaufenster. Ohne Glas. Umrahmt von blaugelben Gardinen, gemütlich und ungefährlich. Da geht auch mal ein kleines Bierchen mehr...

Übrigens: im kleinen Schaufenster bei Biggy ist schon EM. Sie hat wieder neu eindekoriert. In schwarz rot gold. Fußballe, Wimpel und einiges mehr schmückt die Fläche hinter der Glasscheibe rechts vom Eingang. Und von den Sitzplätzen da draußen kann man das auch super sehen.
Läuft beim Kiosk, würde ich sagen.
Biggy weiß, was gefragt ist... hier bei uns in der bronxx...


Donnerstag, 19. Mai 2016

Gegenteiltag

Kennt ihr das? Diese Tage an denen man das Gefühl hat, dass man in der Haut eines anderen steckt?
Irgendwie wirkt plötzlich alles verzerrt, verzogen und passt nicht so richtig. Hmnnn.
Wir haben uns in diesem Rahmen mal einem kleinen Experiment unterzogen, dessen Zeuge ihr heute werden dürft. Nein, natürlich haben wir nicht an uns rumschnippeln lassen, aber lest selbst:
Wie bei kreativen Menschen so üblich kommen die besten Ideen immer dann, wenn man mal wieder bei einem Glas Guinness zusammen hockt und über allerlei Vorkommnisse der letzten Tage philosophiert.
Bei uns hier in der bronxx ist ja immer etwas los ... wirklich ... das fängt bei den besoffenen Bauarbeitern, die ab Nachmittag vorm hiesigen Supermarkt sitzen und mit Vodkaflaschen werfen an und endet spätestens dabei, dass schon wieder jemand meinen Kellerschloss geknackt hat – wohlgemerkt ohne etwas zu stehlen (warum also überhaupt ?!).
Jedenfalls ergab ein Wort das andere und plötzlich stand da ein Begriff im Raum und grinste uns frech von Oben herab an. Plop. Der Gegenteiltag war geboren.

Keine neue Erfindung, zugegeben, aber dennoch immer wieder belustigend. An einem solchen Tag ist es dir erlaubt dich völlig frei von deinen Gewohnheiten zu machen und wie der Name alleine schon sagt – komplett ins Gegenteil abzudriften. Damit der Name auch wirklich Programm ist, haben Frau Climbing Rose und ich uns eine Kleinigkeit einfallen lassen um euch ein wenig aufzurütteln. Also darf Peterle heute mal was schreiben :)

Stellt euch also folgendes Szenario vor – ich streife mir das Röckchen und die schwarzen Lederstiefel über und überreiche dann sogleich meinen Vollbart an unsere Kletterrose – die Show kann beginnen. Wir treten zusammen aus dem Haus und flanieren über eine völlig blank polierte Straße die im Schein der Blauen Sonne am orange farbenem Himmel in ein hartes hellblau getaucht ist. Am Straßenrand steht die nette alte Dame, welche immer so freundlich gegrüßt hatte und wirft plötzlich allen wüste Beschimpfungen entgegen. Besonders jene, die sich an diesem Morgen rückwärts fahrend bereits auf dem Weg in den Feierabend befinden werden von ihr nicht geschont.

Wir gehen weiter zum ehemals Frankfurter – nun Wiener Platz, da kommt uns der Rapper eine Arie nach der anderen schmetternd entgegen. Als er uns sieht verstummt er kurz, stimmt dann aber abrupt in das Pfeifen einer Horde Bauarbeiter zu unserer Rechten, welches wohl nun mir gegolten hatte, mit ein.

Hinter des Kasse im Supermark erhalten wir einen Kurzvortrag des Kassierers über das Wachstumsverhalten von Litschis ehe er den Gartenpinkler davon abhalten muss ins das Gemüseregal zu urinieren. Wieder draußen schleichen riesige gefleckte Katzen an uns vorbei, bis wir mit bedauern feststellen, dass der Chinese um die Ecke nun für alle Zeit seine Pforten geschlossen hat. So ein Pech.

Also ziehen wir ab, winken noch kurz der nun vorwärts laufenden, rückwärts laufenden Frau die uns freundlich zunickt und mit ihrem neuen Freund, der Schiefe Mann der nun nach vorne statt nach Hinten gekrümmt ist, Händchen haltend von Dannen zieht.

Letztlich beschließen wir uns ins Bitgam zu setzen und bei einem Weißbier weiter zu überlegen was heute noch zu tun sein, da streift plötzlich ein Großer Wagen mit langem Schlauch vorbei der fein säuberlich nebst jedem Baum einen frischen Hundehaufen mit einem lauten Flopp-Geräusch platziert.

Spontan hat sich der Appetit auch gleich wieder verflüchtigt also streifen wir doch noch weiter durch unsere xxnorb, sehen aus der Ferne wie die alte mit dem Kinderwagen in lustigem Engelsgewand ihr Wägelchen Richtung Sonnenuntergang schiebt und entschließen uns dass es wohl genug wirres Zeug für heute war.

Also gehen wir zurück in meine Wohnung, der Schwarze Peter bekommt seinen Bart zurück und die Climbing Rose darf wieder in ihr alt gewohntes Outfit schlüpfen. In der Hoffnung dass damit wieder alles beim Alten ist, beschließen wir diesen Tag und lassen sicherlich bald wieder von uns hören, oder viel mehr – aus der bronxx.


Donnerstag, 12. Mai 2016

Vokuhila

Gestern war Muttertag. Da ich auch zu dieser Spezies gehöre, war ich quasi auch betroffen. Aber ich feiere so was gar nicht. Ich bin ja nicht nur an diesem einen Tag Mutter. Das ist ja so'n Status, der ein Leben lang bleibt.

Stattdessen war ich - ganz in Frühaufstehermanier - bei schönstem Sonnenschein morgens zeitig zu einem Termin unterwegs. Und bei meiner Rückkehr bin ich noch ausgiebig durch die bronxx geradelt. Mal nach dem rechten sehen...
Vorbei auch an einem Frisörladen. Wir haben ja hier im WRG insgesamt drei von den Teilen. Unglaublich, oder? Drei Haarspezialisten. Und das hier.
Einen türkischen, eine deutsch-türkische und eine deutsche. Perfekt. Passt. Sitzt.
Obwohl, den deutschen "hatten" wir wahrscheinlich. Nach ziemlich genau sieben Jahren meiner bronxx-Wohntätigkeit war eben dieser Laden über und über mit Zeitungspapier beklebt. Mit diesem kostenlosen Wochenblatt. Nein, nicht die andere, die jeden Tag was kostet.
Montags sind ja die Haarschneidereien eh meistens zu und der war das jetzt wohl über kurz oder lang auch an
allen anderen Tagen der Woche.                     

Nix mit Wasserwelle, Lockenwicklern, weißes Krepphalsabschnürband, Haare überall und im Mund.
Der Oldschool-Coiffeur war jetzt also ganz zu. Das heißt nicht so ganz. Ich konnte noch durch ein paar Lücken in der neuen Schaufensterverkleidung luken.
Da, wo einst die Trockensträuße aus den Auslagen den zukünftigen Kunden zum Nasshaarschnitt hereinzuwinken meinten.  Genausso wie das Interieur, waren auch die von Anno Knips. Hält sich ja auch ewig so'ne Deko.

Das coolste an dem Laden war der Name. Und die selbstgebauten Schildchen, die auf geänderte Öffnungszeiten während, nach und vor den Feiertagen hinwiesen.  Mit Filzstift liebevoll aufs Kästchenpapier oder auf olle Feinstrumpfhosenpappen gemalt. Und an manchen Tagen zeigte sich der Stift sogar ganz solidarisch mit den nur wenige Zentimeter entfernten Trockensträußen. Aber die Schreiberin sah tapfer darüber hinweg, machte weiter und holte auch aus den Schreibwerkzeugen noch das letzte heraus.

Drin war ich nie. Drin gesehen habe ich auch niemanden. Und ich weiß auch nicht so wirklich, ob Männlein oder Weiblein dort die goldene Schere dort führte...
Jetzt konnte man das sowieso gerade gar nicht erkennen, denn es sah nach Renovierung aus: Alle sechziger- oder siebziger-Jahre Rasiersessel waren in der Mitte zusammengeschoben. Bauschutt hier und da. Allerlei Handwerkszeug überall schnell achtlos hindrappiert und weggeräumt. Und an der Wand lehnte eine große Leiter.
Ja, da war sie wieder unsere bronxx-Leiter. Scheinbar ein wichtiges Thema hier im WRG. Ebenso wie Neueröffnungen auch total angesagt sind. Das habenja bereits gelernt. Aus Asien.
Nur Haare werden immer wieder wachsen. Immer und überall. Auf dem Sektor gibt es immer was zu tun und zu schnippeln. Und soll mal nicht so viel ab, macht mal halt nur voku und lässt hila.

Die bronxx liebt sie irgendwie schließlich doch alle. Egal mit welcher Haarpracht...

Donnerstag, 5. Mai 2016

Piano forte

Heute wollte ich mich nach der Arbeit mal richtig schön ausruhen. Bevor ich den blog schreibe, erstmal hinlegen und etwas schlafen. So richtig gesund bin ich irgendwie immer noch nicht. Meine Bronchien und mein Herz streiken hier und da und ich bin recht schnell platt.
Ich lege mich also in mein Schlafzimmer auf mein Bett. Boah, bin ich fertig. Jetzt schön schlafen und danach fix an den Rechner. Eine neue Geschichte eintickern.
Welche, weiß ich noch nicht, aber hier ist ja immer was los bei uns...

Zwei Minuten lang habe ich die Augen zu, da geht es los: pling plang pling plong... Jemand greift in die Tasten eines Klaviers.
Genaugenommen ist es ein Piano oder ein Keyboard. Der Karton von dem Ding steckte neulich in der Altpapiertonne. In ganz. Verstehe ich auch nie, warum man die Kartons nicht mal kleinreissen kann...

 
Ich glaube, der Nachbarsjunge unter mir hat das Teil vor ein paar Wochen zum Geburtstag bekommen.

Zunächst befand sich das Musikzimmer unter dem Zimmer meines Sohnes. Wahllos gegriffene Akkordwelllen drangen zu fast allen Tages- und Nachtzeiten zu ihm durch den gelackten Dielenfußboden.
Partiell machte ihn das etwas nervös. Meinen Sohn. Ja.
Da ich davon kaum etwas hörte und mitbekam, hatte ich es schlichtweg vergessen.

Aber vorhin dann die eindeutige Erinnerung daran. Und wie es schien, hatte der Probenraum jetzt wiederum ein anderes Eckchen in der Wohnung unter uns gefunden. Nämlich direkt unter meinem Schlafzimmer.
Früher in meinem Elternhaus habe ich viel Regenbogenpresse - O-Ton meines Vaters - in die Finger bekommen und da gab es auch regelmäßig eine Rubrik mit Gerichtsurteilen zum Spielen von Instrumenten in Mietwohnungen. Wieviele Stunden man das darf. Und wann und so.
Dummerweise habe ich es vergessen. Und die Melodien da unter mir bringen meinen Kopf sowieso durcheinander. Ich überlege, ob ich nicht einfach drüber einschlafen könnte. Müde genug wäre ich. Aber ich kann nicht. Ich lausche.
Jetzt kommen schon richtige Tonläufe oder wie das heißt. Da, noch eine Melodie. Mit Rhythmus. Dann wird es sofort wieder wild und beliebig. Die Lautstärke geht eigentlich. Ist okay. Was mich umtreibt ist: Spielt er das selber? Oder hat er da bloß auf einen dieser Knöpfe gedrückt? Dann spielt das Ding nämlich ein abgespeichertes Liedchen ab. Und das, das kann echt jeder! Das ist unfähr.


Meine Konzentration ist groß, an Schlaf nicht zu denken. Ich will raushören, wer da spiel: der Junge oder die Maschine?
Bei den schnellen Wechseln unmöglich zu erkennen.
Jetzt wieder: willkürliches Geplänkel und dazwischen astrein klare Liedsequenzen.
Der macht mir das aber jetzt richtig schwer...
Dann ist es still.

Okay, jetzt kann ich schlafen. Passt noch. Ruhe. Augen zu. Herrlich.
Sekunden später wird die Konzertpause in der unteren Etage beendet. "Happy birthday to you, happy birthday to you..".
Mein Gehirn rattert sofort wieder los: Speicherchip oder handgemachter Sound?
Ich weiß es nicht. Außerdem habe ich doch erst am Samstag Geburtstag. Na, ja, vielleicht übt er schon mal für ein Ständchen. Kann ja sein. Ein bißchen würde ich mich ja freuen darüber.
Aber vor den anderen Übungsstunden graut mir etwas.
Aber wer weiß, vielleicht haben Mozart & Co ja auch mal so angefangen? Oder Albert Hammond, Elton John oder Richard Clayderman... Falls den überhaupt noch einer hier kennt. Dieser blondierte Franzose, der mit Weichspüler getränkter Musik Millionen verzauberte...
Vielleicht wird da jetzt die Jahre in der Butze unter mir genau so ein begnadeter Mensch wach und geschult. Und ich kenne ihn dann. Persönlich. Ganz in echt, weil... aus der bronxx...Wer weiß...

Donnerstag, 28. April 2016

Küchenkino

Blick aus dem Küchenfenster. Im Nachbarhaus, eine Etage tiefer. Ein Zimmer. Leer. Eie Glühbirne brennt. Ohne Lampenschirm. Der Raum wird durch das schirmlose Licht in ein merkwürdiges Szenario getaucht.
In der Mitte des Raumes eine Leiter. Das Licht und die Leiter geben diesem Anblick einen skurilen Beigeschmack. Fast gespenstisch mutet das Ganze an...
Besonders, als ich noch zwei nackte Beine auf der Leiter sehe. Ohne Schuhe. Ohne Strümpfe. Einfach nur zwei nackte Männerbeine. Bis zum Oberschenkel hinauf sichtbar stehen sie auf eben dieser Leiter. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich erschrecke und halte kurz inne. Was passiert da gerade? Ist es das, was ich denke? Panik! Drama im Nachbarhaus? Sollte ich jetzt ganz schnell handeln? Oder erstmal weiter beobachten? Ob sich was bewegt?
Ich entscheide mich dafür, noch kurz abzuwarten. Lieber einen genauen Überblick verschaffen. Das ist besser. Obwohl, manchmal entscheiden ja schon Sekunden. Über alles oder nichts.
Ich warte. Ich beobachte. Bewegt sich da etwas? Nehme ich eine kleine Veränderung in der Szenerie wahr?

Die Zeit scheint stillzustehen...

Aber jetzt! Da, endlich. Die Beine bewegen sich. Puh! Gott sei Dank! Jetzt bin ich froh. Ehrlich.
Ganz langsam steigen die barfüssigen Männerkörperextremitäten die Leiter herunter.
Nach einer kurzen Erleichterung steigt die Spannung in mir nun jedoch abermals.
Diesmal droht die Erregungskurve in die andere Richtung auszuschlagen. Rasant. Sehr rasant. Kopfkino. Kammerlichtspiele, Spätvorstellung. Schmuddelecke.
Vielleicht sind ja nicht nur die Beine unangezogen? Wie wäre es mit dem Rest...?

Ja, man, ich bin ja schließlich auch nur eine Frau. Was soll ich da machen?
Im Moment ja eh nur abwarten. Bis der Mensch von gegenüber endgültig von seiner Leiter abgestiegen ist und sich dann so ganz in ganz zeigt.
Schnell noch Licht bei mir ausmachen und dann wieder ans Fenster und warten.

Hach, noch rechtzeitig geschafft. Die Beine bewegen sich wie in Zeitlupe Sekunde für Sekunde - fast schon lasziv - die Stufen hinunter in Richtung Boden.
Ich werde immer unruhiger und habe nicht mal Gardinen hinter denen ich mich verstecken kann.
Los, nun mach schon! Ich will den Rest sehen! Egal... Ehrlich.
Dieses ganze Gefühlsaufundab da in mir möchte jetzt auch mal entspannt erlöst werden. Anders geht das gar nicht....


Nach gefühlten Ewigkeiten am Fußboden angekommen, gehen die Beine gemütlich in Richtung Küche.
Die weiße Boxershorts, die mitgeht, ist nice, aber recht unspektakulär. Ebenso das weiße T-Shirt.

Von mir fällt die Anspannung jäh ab und mündet in einer ziehmlichen Enttäuschung.
Menno.... Das war nix... So ein verdammter Mist! Der ganz Aufwand umsonst.
Muss der mich erst so erschrecken, mir danach solche Hoffnungen machen? Und mich jetzt so dermaßen hinter meinem Fenster stehen lassen? Herzlichen Dank, ey! Vergiss es... Ich war bedient...


Aber, ich war irgendwie selbst schuld. Ist man ja immer irgendwie, oder? Ich hatte nämlich etwas ganz grundlegendes absolut vergessen in meinen Gefühlswallungen da hinter der Scheibe: Maler tragen immer weiß. Immer. Egal, wo sie malern. Sind ja auch Maler, nech?!
Und deshalb ist das auch hier bei uns hier so. Ganz genau so. Hier bei uns in der bronxx...


Donnerstag, 21. April 2016

ni hao

Guten Tag. Heute mal auf chinesisch.
Warum? Weil es die bronxx kann. 

Am Frankfurter, an unserem Multikulti-Platz schlechthin.
Wie meine Ex-Nachbarn mir erzählten:" Am Franky."
Okay...


Ein asiatischer Imbiss mit freundlichen Besitzern, die zumeist emsig zu Auslieferungsfahrten unterwegs sind. Styroporbox ab ins Auto und auf zu hungrigen Mäulern, die sich nach Reis, Soya und anderen Saucen verzehren. Doch im Laden sah ich irgendwie immer niemanden. Und so fand das Geschäft im letzten Winter sein jähes Ende. Dort, wo über Jahre hinweg auf einem der riesigen Schaufenster in großen Lettern das Wort "Neueröffnung" ewig versucht hatte Besucher anzulocken, war plötzlich Schluss im Gelände. Zu. Geschlossen.
Und nun?

Ich behielt den Laden mit der langen Fensterfront im Auge. Immer mal warf ich einen Blick, wenn ich mich in Richtung Supermarkt aufmachte oder wenn ich von der Arbeit nach Hause radelte.Es wurde fleissig umgebaut, geräumt, gestapelt, gemalert, beschildert. Mit der ganzen mandeläugigen Familie. Über Wochen hinweg. Und alles mit eben jener Emsigkeit, die vorher in die rollende Essensausgabe investiert wurde. Auch die Aussenfassade bekam ein fettes rotes Schild.


Dann, eines schönen Tages in diesem Frühjahr war es denn soweit, einer neuer Star am asiatischen Esshimmel wurde geboren.
Ab sofort sind die Töpfe wieder heiß nach wochenlanger Stille im Hause der Reiskocher und der Enten süß-sauer. Neuer Name, neues Glück. Eine Plantage von Orchideen im langen Schaufenster, reichlich Sitzgelegenheiten im Inneren und nun tummeln sich auch endlich Gäste darin.


Vorgestern fand ich im Briefkasten eine Speisekarte des alten neuen Asiaten. Alles, was das Herz begehrt und "alle Speise mit ein wenig Geschmack Verstärker". Na, dann kann ja quasi nix mehr schiefgehen am Franky. Ran an die Essstäbchen und auf ein fröhliches Geklapper zwischen Wantan, Chopsuey, Ingwer und Bambus. Und wie die anderen hundertundvierundachtzig Kostbarkeiten nicht alle heißen.
  
Also, ni hao und so und guten Appetit. Und möge die neue Neueröffnung sich nicht wieder vier Jahre lang hinziehen...