Donnerstag, 19. Mai 2016

Gegenteiltag

Kennt ihr das? Diese Tage an denen man das Gefühl hat, dass man in der Haut eines anderen steckt?
Irgendwie wirkt plötzlich alles verzerrt, verzogen und passt nicht so richtig. Hmnnn.
Wir haben uns in diesem Rahmen mal einem kleinen Experiment unterzogen, dessen Zeuge ihr heute werden dürft. Nein, natürlich haben wir nicht an uns rumschnippeln lassen, aber lest selbst:
Wie bei kreativen Menschen so üblich kommen die besten Ideen immer dann, wenn man mal wieder bei einem Glas Guinness zusammen hockt und über allerlei Vorkommnisse der letzten Tage philosophiert.
Bei uns hier in der bronxx ist ja immer etwas los ... wirklich ... das fängt bei den besoffenen Bauarbeitern, die ab Nachmittag vorm hiesigen Supermarkt sitzen und mit Vodkaflaschen werfen an und endet spätestens dabei, dass schon wieder jemand meinen Kellerschloss geknackt hat – wohlgemerkt ohne etwas zu stehlen (warum also überhaupt ?!).
Jedenfalls ergab ein Wort das andere und plötzlich stand da ein Begriff im Raum und grinste uns frech von Oben herab an. Plop. Der Gegenteiltag war geboren.

Keine neue Erfindung, zugegeben, aber dennoch immer wieder belustigend. An einem solchen Tag ist es dir erlaubt dich völlig frei von deinen Gewohnheiten zu machen und wie der Name alleine schon sagt – komplett ins Gegenteil abzudriften. Damit der Name auch wirklich Programm ist, haben Frau Climbing Rose und ich uns eine Kleinigkeit einfallen lassen um euch ein wenig aufzurütteln. Also darf Peterle heute mal was schreiben :)

Stellt euch also folgendes Szenario vor – ich streife mir das Röckchen und die schwarzen Lederstiefel über und überreiche dann sogleich meinen Vollbart an unsere Kletterrose – die Show kann beginnen. Wir treten zusammen aus dem Haus und flanieren über eine völlig blank polierte Straße die im Schein der Blauen Sonne am orange farbenem Himmel in ein hartes hellblau getaucht ist. Am Straßenrand steht die nette alte Dame, welche immer so freundlich gegrüßt hatte und wirft plötzlich allen wüste Beschimpfungen entgegen. Besonders jene, die sich an diesem Morgen rückwärts fahrend bereits auf dem Weg in den Feierabend befinden werden von ihr nicht geschont.

Wir gehen weiter zum ehemals Frankfurter – nun Wiener Platz, da kommt uns der Rapper eine Arie nach der anderen schmetternd entgegen. Als er uns sieht verstummt er kurz, stimmt dann aber abrupt in das Pfeifen einer Horde Bauarbeiter zu unserer Rechten, welches wohl nun mir gegolten hatte, mit ein.

Hinter des Kasse im Supermark erhalten wir einen Kurzvortrag des Kassierers über das Wachstumsverhalten von Litschis ehe er den Gartenpinkler davon abhalten muss ins das Gemüseregal zu urinieren. Wieder draußen schleichen riesige gefleckte Katzen an uns vorbei, bis wir mit bedauern feststellen, dass der Chinese um die Ecke nun für alle Zeit seine Pforten geschlossen hat. So ein Pech.

Also ziehen wir ab, winken noch kurz der nun vorwärts laufenden, rückwärts laufenden Frau die uns freundlich zunickt und mit ihrem neuen Freund, der Schiefe Mann der nun nach vorne statt nach Hinten gekrümmt ist, Händchen haltend von Dannen zieht.

Letztlich beschließen wir uns ins Bitgam zu setzen und bei einem Weißbier weiter zu überlegen was heute noch zu tun sein, da streift plötzlich ein Großer Wagen mit langem Schlauch vorbei der fein säuberlich nebst jedem Baum einen frischen Hundehaufen mit einem lauten Flopp-Geräusch platziert.

Spontan hat sich der Appetit auch gleich wieder verflüchtigt also streifen wir doch noch weiter durch unsere xxnorb, sehen aus der Ferne wie die alte mit dem Kinderwagen in lustigem Engelsgewand ihr Wägelchen Richtung Sonnenuntergang schiebt und entschließen uns dass es wohl genug wirres Zeug für heute war.

Also gehen wir zurück in meine Wohnung, der Schwarze Peter bekommt seinen Bart zurück und die Climbing Rose darf wieder in ihr alt gewohntes Outfit schlüpfen. In der Hoffnung dass damit wieder alles beim Alten ist, beschließen wir diesen Tag und lassen sicherlich bald wieder von uns hören, oder viel mehr – aus der bronxx.


Donnerstag, 12. Mai 2016

Vokuhila

Gestern war Muttertag. Da ich auch zu dieser Spezies gehöre, war ich quasi auch betroffen. Aber ich feiere so was gar nicht. Ich bin ja nicht nur an diesem einen Tag Mutter. Das ist ja so'n Status, der ein Leben lang bleibt.

Stattdessen war ich - ganz in Frühaufstehermanier - bei schönstem Sonnenschein morgens zeitig zu einem Termin unterwegs. Und bei meiner Rückkehr bin ich noch ausgiebig durch die bronxx geradelt. Mal nach dem rechten sehen...
Vorbei auch an einem Frisörladen. Wir haben ja hier im WRG insgesamt drei von den Teilen. Unglaublich, oder? Drei Haarspezialisten. Und das hier.
Einen türkischen, eine deutsch-türkische und eine deutsche. Perfekt. Passt. Sitzt.
Obwohl, den deutschen "hatten" wir wahrscheinlich. Nach ziemlich genau sieben Jahren meiner bronxx-Wohntätigkeit war eben dieser Laden über und über mit Zeitungspapier beklebt. Mit diesem kostenlosen Wochenblatt. Nein, nicht die andere, die jeden Tag was kostet.
Montags sind ja die Haarschneidereien eh meistens zu und der war das jetzt wohl über kurz oder lang auch an
allen anderen Tagen der Woche.                     

Nix mit Wasserwelle, Lockenwicklern, weißes Krepphalsabschnürband, Haare überall und im Mund.
Der Oldschool-Coiffeur war jetzt also ganz zu. Das heißt nicht so ganz. Ich konnte noch durch ein paar Lücken in der neuen Schaufensterverkleidung luken.
Da, wo einst die Trockensträuße aus den Auslagen den zukünftigen Kunden zum Nasshaarschnitt hereinzuwinken meinten.  Genausso wie das Interieur, waren auch die von Anno Knips. Hält sich ja auch ewig so'ne Deko.

Das coolste an dem Laden war der Name. Und die selbstgebauten Schildchen, die auf geänderte Öffnungszeiten während, nach und vor den Feiertagen hinwiesen.  Mit Filzstift liebevoll aufs Kästchenpapier oder auf olle Feinstrumpfhosenpappen gemalt. Und an manchen Tagen zeigte sich der Stift sogar ganz solidarisch mit den nur wenige Zentimeter entfernten Trockensträußen. Aber die Schreiberin sah tapfer darüber hinweg, machte weiter und holte auch aus den Schreibwerkzeugen noch das letzte heraus.

Drin war ich nie. Drin gesehen habe ich auch niemanden. Und ich weiß auch nicht so wirklich, ob Männlein oder Weiblein dort die goldene Schere dort führte...
Jetzt konnte man das sowieso gerade gar nicht erkennen, denn es sah nach Renovierung aus: Alle sechziger- oder siebziger-Jahre Rasiersessel waren in der Mitte zusammengeschoben. Bauschutt hier und da. Allerlei Handwerkszeug überall schnell achtlos hindrappiert und weggeräumt. Und an der Wand lehnte eine große Leiter.
Ja, da war sie wieder unsere bronxx-Leiter. Scheinbar ein wichtiges Thema hier im WRG. Ebenso wie Neueröffnungen auch total angesagt sind. Das habenja bereits gelernt. Aus Asien.
Nur Haare werden immer wieder wachsen. Immer und überall. Auf dem Sektor gibt es immer was zu tun und zu schnippeln. Und soll mal nicht so viel ab, macht mal halt nur voku und lässt hila.

Die bronxx liebt sie irgendwie schließlich doch alle. Egal mit welcher Haarpracht...

Donnerstag, 5. Mai 2016

Piano forte

Heute wollte ich mich nach der Arbeit mal richtig schön ausruhen. Bevor ich den blog schreibe, erstmal hinlegen und etwas schlafen. So richtig gesund bin ich irgendwie immer noch nicht. Meine Bronchien und mein Herz streiken hier und da und ich bin recht schnell platt.
Ich lege mich also in mein Schlafzimmer auf mein Bett. Boah, bin ich fertig. Jetzt schön schlafen und danach fix an den Rechner. Eine neue Geschichte eintickern.
Welche, weiß ich noch nicht, aber hier ist ja immer was los bei uns...

Zwei Minuten lang habe ich die Augen zu, da geht es los: pling plang pling plong... Jemand greift in die Tasten eines Klaviers.
Genaugenommen ist es ein Piano oder ein Keyboard. Der Karton von dem Ding steckte neulich in der Altpapiertonne. In ganz. Verstehe ich auch nie, warum man die Kartons nicht mal kleinreissen kann...

 
Ich glaube, der Nachbarsjunge unter mir hat das Teil vor ein paar Wochen zum Geburtstag bekommen.

Zunächst befand sich das Musikzimmer unter dem Zimmer meines Sohnes. Wahllos gegriffene Akkordwelllen drangen zu fast allen Tages- und Nachtzeiten zu ihm durch den gelackten Dielenfußboden.
Partiell machte ihn das etwas nervös. Meinen Sohn. Ja.
Da ich davon kaum etwas hörte und mitbekam, hatte ich es schlichtweg vergessen.

Aber vorhin dann die eindeutige Erinnerung daran. Und wie es schien, hatte der Probenraum jetzt wiederum ein anderes Eckchen in der Wohnung unter uns gefunden. Nämlich direkt unter meinem Schlafzimmer.
Früher in meinem Elternhaus habe ich viel Regenbogenpresse - O-Ton meines Vaters - in die Finger bekommen und da gab es auch regelmäßig eine Rubrik mit Gerichtsurteilen zum Spielen von Instrumenten in Mietwohnungen. Wieviele Stunden man das darf. Und wann und so.
Dummerweise habe ich es vergessen. Und die Melodien da unter mir bringen meinen Kopf sowieso durcheinander. Ich überlege, ob ich nicht einfach drüber einschlafen könnte. Müde genug wäre ich. Aber ich kann nicht. Ich lausche.
Jetzt kommen schon richtige Tonläufe oder wie das heißt. Da, noch eine Melodie. Mit Rhythmus. Dann wird es sofort wieder wild und beliebig. Die Lautstärke geht eigentlich. Ist okay. Was mich umtreibt ist: Spielt er das selber? Oder hat er da bloß auf einen dieser Knöpfe gedrückt? Dann spielt das Ding nämlich ein abgespeichertes Liedchen ab. Und das, das kann echt jeder! Das ist unfähr.


Meine Konzentration ist groß, an Schlaf nicht zu denken. Ich will raushören, wer da spiel: der Junge oder die Maschine?
Bei den schnellen Wechseln unmöglich zu erkennen.
Jetzt wieder: willkürliches Geplänkel und dazwischen astrein klare Liedsequenzen.
Der macht mir das aber jetzt richtig schwer...
Dann ist es still.

Okay, jetzt kann ich schlafen. Passt noch. Ruhe. Augen zu. Herrlich.
Sekunden später wird die Konzertpause in der unteren Etage beendet. "Happy birthday to you, happy birthday to you..".
Mein Gehirn rattert sofort wieder los: Speicherchip oder handgemachter Sound?
Ich weiß es nicht. Außerdem habe ich doch erst am Samstag Geburtstag. Na, ja, vielleicht übt er schon mal für ein Ständchen. Kann ja sein. Ein bißchen würde ich mich ja freuen darüber.
Aber vor den anderen Übungsstunden graut mir etwas.
Aber wer weiß, vielleicht haben Mozart & Co ja auch mal so angefangen? Oder Albert Hammond, Elton John oder Richard Clayderman... Falls den überhaupt noch einer hier kennt. Dieser blondierte Franzose, der mit Weichspüler getränkter Musik Millionen verzauberte...
Vielleicht wird da jetzt die Jahre in der Butze unter mir genau so ein begnadeter Mensch wach und geschult. Und ich kenne ihn dann. Persönlich. Ganz in echt, weil... aus der bronxx...Wer weiß...

Donnerstag, 28. April 2016

Küchenkino

Blick aus dem Küchenfenster. Im Nachbarhaus, eine Etage tiefer. Ein Zimmer. Leer. Eie Glühbirne brennt. Ohne Lampenschirm. Der Raum wird durch das schirmlose Licht in ein merkwürdiges Szenario getaucht.
In der Mitte des Raumes eine Leiter. Das Licht und die Leiter geben diesem Anblick einen skurilen Beigeschmack. Fast gespenstisch mutet das Ganze an...
Besonders, als ich noch zwei nackte Beine auf der Leiter sehe. Ohne Schuhe. Ohne Strümpfe. Einfach nur zwei nackte Männerbeine. Bis zum Oberschenkel hinauf sichtbar stehen sie auf eben dieser Leiter. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich erschrecke und halte kurz inne. Was passiert da gerade? Ist es das, was ich denke? Panik! Drama im Nachbarhaus? Sollte ich jetzt ganz schnell handeln? Oder erstmal weiter beobachten? Ob sich was bewegt?
Ich entscheide mich dafür, noch kurz abzuwarten. Lieber einen genauen Überblick verschaffen. Das ist besser. Obwohl, manchmal entscheiden ja schon Sekunden. Über alles oder nichts.
Ich warte. Ich beobachte. Bewegt sich da etwas? Nehme ich eine kleine Veränderung in der Szenerie wahr?

Die Zeit scheint stillzustehen...

Aber jetzt! Da, endlich. Die Beine bewegen sich. Puh! Gott sei Dank! Jetzt bin ich froh. Ehrlich.
Ganz langsam steigen die barfüssigen Männerkörperextremitäten die Leiter herunter.
Nach einer kurzen Erleichterung steigt die Spannung in mir nun jedoch abermals.
Diesmal droht die Erregungskurve in die andere Richtung auszuschlagen. Rasant. Sehr rasant. Kopfkino. Kammerlichtspiele, Spätvorstellung. Schmuddelecke.
Vielleicht sind ja nicht nur die Beine unangezogen? Wie wäre es mit dem Rest...?

Ja, man, ich bin ja schließlich auch nur eine Frau. Was soll ich da machen?
Im Moment ja eh nur abwarten. Bis der Mensch von gegenüber endgültig von seiner Leiter abgestiegen ist und sich dann so ganz in ganz zeigt.
Schnell noch Licht bei mir ausmachen und dann wieder ans Fenster und warten.

Hach, noch rechtzeitig geschafft. Die Beine bewegen sich wie in Zeitlupe Sekunde für Sekunde - fast schon lasziv - die Stufen hinunter in Richtung Boden.
Ich werde immer unruhiger und habe nicht mal Gardinen hinter denen ich mich verstecken kann.
Los, nun mach schon! Ich will den Rest sehen! Egal... Ehrlich.
Dieses ganze Gefühlsaufundab da in mir möchte jetzt auch mal entspannt erlöst werden. Anders geht das gar nicht....


Nach gefühlten Ewigkeiten am Fußboden angekommen, gehen die Beine gemütlich in Richtung Küche.
Die weiße Boxershorts, die mitgeht, ist nice, aber recht unspektakulär. Ebenso das weiße T-Shirt.

Von mir fällt die Anspannung jäh ab und mündet in einer ziehmlichen Enttäuschung.
Menno.... Das war nix... So ein verdammter Mist! Der ganz Aufwand umsonst.
Muss der mich erst so erschrecken, mir danach solche Hoffnungen machen? Und mich jetzt so dermaßen hinter meinem Fenster stehen lassen? Herzlichen Dank, ey! Vergiss es... Ich war bedient...


Aber, ich war irgendwie selbst schuld. Ist man ja immer irgendwie, oder? Ich hatte nämlich etwas ganz grundlegendes absolut vergessen in meinen Gefühlswallungen da hinter der Scheibe: Maler tragen immer weiß. Immer. Egal, wo sie malern. Sind ja auch Maler, nech?!
Und deshalb ist das auch hier bei uns hier so. Ganz genau so. Hier bei uns in der bronxx...


Donnerstag, 21. April 2016

ni hao

Guten Tag. Heute mal auf chinesisch.
Warum? Weil es die bronxx kann. 

Am Frankfurter, an unserem Multikulti-Platz schlechthin.
Wie meine Ex-Nachbarn mir erzählten:" Am Franky."
Okay...


Ein asiatischer Imbiss mit freundlichen Besitzern, die zumeist emsig zu Auslieferungsfahrten unterwegs sind. Styroporbox ab ins Auto und auf zu hungrigen Mäulern, die sich nach Reis, Soya und anderen Saucen verzehren. Doch im Laden sah ich irgendwie immer niemanden. Und so fand das Geschäft im letzten Winter sein jähes Ende. Dort, wo über Jahre hinweg auf einem der riesigen Schaufenster in großen Lettern das Wort "Neueröffnung" ewig versucht hatte Besucher anzulocken, war plötzlich Schluss im Gelände. Zu. Geschlossen.
Und nun?

Ich behielt den Laden mit der langen Fensterfront im Auge. Immer mal warf ich einen Blick, wenn ich mich in Richtung Supermarkt aufmachte oder wenn ich von der Arbeit nach Hause radelte.Es wurde fleissig umgebaut, geräumt, gestapelt, gemalert, beschildert. Mit der ganzen mandeläugigen Familie. Über Wochen hinweg. Und alles mit eben jener Emsigkeit, die vorher in die rollende Essensausgabe investiert wurde. Auch die Aussenfassade bekam ein fettes rotes Schild.


Dann, eines schönen Tages in diesem Frühjahr war es denn soweit, einer neuer Star am asiatischen Esshimmel wurde geboren.
Ab sofort sind die Töpfe wieder heiß nach wochenlanger Stille im Hause der Reiskocher und der Enten süß-sauer. Neuer Name, neues Glück. Eine Plantage von Orchideen im langen Schaufenster, reichlich Sitzgelegenheiten im Inneren und nun tummeln sich auch endlich Gäste darin.


Vorgestern fand ich im Briefkasten eine Speisekarte des alten neuen Asiaten. Alles, was das Herz begehrt und "alle Speise mit ein wenig Geschmack Verstärker". Na, dann kann ja quasi nix mehr schiefgehen am Franky. Ran an die Essstäbchen und auf ein fröhliches Geklapper zwischen Wantan, Chopsuey, Ingwer und Bambus. Und wie die anderen hundertundvierundachtzig Kostbarkeiten nicht alle heißen.
  
Also, ni hao und so und guten Appetit. Und möge die neue Neueröffnung sich nicht wieder vier Jahre lang hinziehen...

Donnerstag, 14. April 2016

Baustellenmusik

Ich weiß, was ihr jetzt vermutlich denken könntet: und schon wieder mal regt sie sich über die Geräuschkulisse in ihrer bronxx auf. Und ich sage Euch, lest doch jetzt erstmal locker weiter, seid nicht voreingenommen und entspannt Euch. Erstens kommt es anders. Zweitens als man denkt. Oder so. Oder so ähnlich.

Es wird ja nun bekanntlich Frühling, soweit waren wir ja schon an diesem blog. Und da drehen so mancher Menschen Hormone ausnehmend am Kabel und an allen anderen Verdrahtungen im System glüht es gewaltig.
Draußen grünt's und sowohl bei Männlein als auch bei Weiblein wird es im Inneren mächtig warm bis heiß. Und so richtig kalt lässt das irgendwie keinen, oder?!

Ich trage ja ganzjährig Röcke und Stiefel und fahre dabei tapfer Fahrrad. Jaha, auch durch hohen Schnee oder bei Herbstmonsun. Das einzige, was bei mir dann jahreszeitlich verändert wird, ist die Dicke und Dichte der dazugehörigen Strumpfhosen. Ergo, je wärmer der Sonnenschein, desto dünner das Beinkleidchen. Quasi.
So war ich denn glücklich und konnte jetzt bei den schon einmalig fast sommerlichen Temperaturen die gemusterten aus der Schublade kramen. Und dann ab aufs Rad, zur Arbeit und nach Feierabend das ganze Programm wieder retour.


Jedenfalls fahre ich zum recht frühen Feierabend - momentan noch dienstags und donnerstags - bei schönster Sonne nach Hause ins WRG. Auf der Ecke, da wo das Kontorhaus vor ein paar wenigen Jahren entstand, wird ja nun angebaut. Was genau, weiß ich nicht. Sieht aus wie das selbe in kleiner. Wobei ich nie so genau verstanden hatte, was ein Kontorhaus zu bedeuten hat und es wirkt zur Hälfte eh leer und unvermietet. Aber bauen muss man, so auch in der bronxx. Das Leben und die Geschäfte gehen weiter und dann boomt auch schon mal hier bei uns eben exakt diese Branche. Soll das Ganze hier wohl auch so ein bisschen optisch und inhaltlich aufwerten. Was weiß ich.

Ich radel da jedenfalls so an der Baustelle vorbei und höre an der ersten Ecke einen ziemlich lauten und durchdringenden Pfiff. Klang voll so nach einem, der auf zwei Fingern gepustet, geblasen oder was auch immer wurde. Nicht zu überhören...Was jetzt wohl da gleich passieren würde?
Wie spannend... Ich schaute kurz vom Lenker weg hinüber auf die Baustelle. Und ich musste grinsen. Ein beträchtlicher Teil der Bauarbeiter hatte einen kurzen Moment lang die Werkzeuge und die Arbeit niedergelegt und ihre Augen samt Aufmerksamkeit auf den Radweg und die dort vorbeifahrende Verkehrsteilnehmerin gerichtet. Bloß, außer mir war da ja niemand... Jepp, die sahen alle mich an. Und grienten und freuten sich. Ich lächelte zurück. Winkte sogar.

 
Dann ertönte auch schon der nächste Pfeifton auf dem Gerüstgelände. Diesmal etwas leiser und aus einer anderen Ecke. Das ganze Areal ist riesig und bis man da rund ist, das dauert...
Ich hatte keine Ahnung, was das zweite Mal nun wiederum für eine Bedeutung haben sollte...
Meinte es etwa sowas wie: "Männer, nun wieder ran an die Arbeit?" Oder fuhr hinter mir vielleicht die nächste Frau auf dem Radweg? 

Hm, ich fuhr einfach weiter und beobachtete das Geschehen fest von meinem Sattel aus.
Und da kam sie auch prompt, die Antwort auf meine innere Frage:
An der nächsten Ecke wartete der andere Trupp Bauarbeiter auf mein Erscheinen auf Sichthöhe. Auch sie hatten wiederum alle Tätigkeiten kurz niedergelegt und starrten erwartungsvoll auf die Fahrbahn.
Einige von ihnen winkten, andere nickten, ein anderer wiederum pfiff nochmal. 

Es war göttlich. Ich strahlte und hob die Hand und grüßte zurück.
Wie schon lange nicht mehr, genoss ich meinen Heimweg, das Strampeln fiel leichter denn je, auch die aufgestellten Baustellenschilder ließen sich plötzlich mühelos von mir umfahren und ich schwebte quasi die wenigen Meter, die noch bis zu meiner Wohnung vor mir lagen, nach Hause.

Ach ja.... jetzt warte ich darauf, dass die Sonnentage mehr und länger werden und die frühen Feierabende herannahen und ich mich von der Musik auf der Baustelle wieder ein wenig betören lassen darf... Und noch was: es wird ja noch wärmer werden, ganz viel wärmer. Ihr wisst, was ich damit sagen will? Na, ja, die Kinder sollten jetzt den blog ausschalten und den Erwachsenen die kommenden Zeilen überlassen....
Wenn nämlich Weiblein und Männlein natürlich auch - beim schwarzen Peter würde das die aus meiner Sicht eher tragísch veranlagten Männer betreffen - sich an dem Anblick von muskulösen Bauarbeitern (mit und - vor allem aber - ohne Unterhemd) erfreuen dürfen.
Und noch besser: ich kann und brauche dann nicht zu pfeifen. Erstens kann ich es nicht auf zwei Fingern, zweitens deshalb nicht so laut und drittens hört das eh keiner hier. Hier bei uns in der bronxx...



Donnerstag, 7. April 2016

Kille kille Gänschen

"Da hast'n Taler,
geh auf den Markt,
kauf Dir 'ne Kuh
ein Kälbchen dazu.
Das Kälbchen hat ein Schwänzchen.
Kille kille Gänschen."

Das kommt dabei heraus, wenn Nils zu mir sagt:"Schreib doch mal über diese beiden Kälber hier bei uns in der bronxx."
Ich wusste genau, von wem oder besser von was die Rede war.
Nun, wie bringe ich Euch jetzt das Thema bei? Schonend wohl auf jeden Fall. Ja, nee, aber soo schlimm ist es nun auch wieder nicht...

Ich habe gerade mal im Internet geschaut, weil mir dazu ein Reim aud Kindertagen dazu einfiel. Zu den Kälbchen. Von Oma. Also, der Reim natürlich.
Sie hat mir dann immer mit ihrem Mittelfinger in meiner Handinnenfläche rumgekitzelt und dabei dieses Gedicht da oben aufgesagt. Kennt ihr das auch noch von früher?
Nö, ich komme nicht vom Thema ab. Ganz ehrlich nicht. So gar nicht.

Als ich nämlich einst mit meinem Taler unterwegs zum Markt war.... Hier bei uns im WRG. Versteht sich von selbst, nicht wahr?! Da wollte ich mir ne Kuh kaufen. Das ist natürlich alles im übertragenen Sinne gemeint. (Irgendwie muss ich ja jetzt Omas  verdammten Reim hier noch erklären und unterbringen..)
Richtig interessant wird das doch erst, wo das Kälbchen jetzt ins Spiel kommt. Und nicht nur im übertragenen Sinne. An dieser Stelle nämlich nicht. Die gibt es wirklich. Und ganz in echt. Sogar mit Schwänzchen. Riesen Teile. Löken wie der Braunschweiger sagt. In weiß mit schwarzen Punkten. Beide. Also quasi im Doppelpack.
Aus dem Mund sabbern sie lange Fäden. Und man sieht das Rosa und die Zähne. Mit Speichelfäden wie gesagt. Und sie bewegen sich mächtig schnell und sind irgendwie ganz schön behäbig.
Bei diesem Anblick wurde ich damals panisch. Sah mich schon wieder in Horrorszenen am Boden liegen, überwältigt und an allen möglichen Stellen gebissen und angefressen.
Denn sie waren nicht angeleint. Gar nicht. Liefen neugierig interessiert neben dem Herrchen her. Reichten ihm gefühlt bis zu den Schultern mit ihren Köpfen.

Ich traute mich nicht zu laufen oder mich sonstwie schnell zu bewegen.
Man soll ja irgendwie ruhig und langsam, ohne sie auffällig anzuschauen und ohne Angst zu zeigen an Hunden vorbei gehen.
Ich hätte mir jedenfalls beinahe in die Hosen gemacht bei den Kälbern, die ja eigentlich nur riesige Hunde sind. Aber was für Oschis. Das ist Schluß mit lustig bei mir. Wo ich doch eh so'n Hundeschisser bin...
Und da war auch Schluß mit Omas Reim und dem Kille kille.

Heute geht es einigermaßen. Sie werden ja regelmäßig  im Park oder im Viertel Gassi gegangen und trotten dann dabei ganz erhaben durch die bronxx. Und wackeln mit den Schwänzchen...
Kille kille Gänschen...