Donnerstag, 19. Oktober 2017

Haarscharf

Es ist Herbst. Und nein, die Jahreszeiten machen auch vor dem WRG nicht halt. Es wird wieder ruckzuck dunkel und die ganze Leier geht jetzt wieder los. Bald ist auch Weihnachten und ganz ehrlich, ich bin froh, wenn das ganze Geraffel schnell um ist.
Die letzten Tage kam jedoch gefühlt erstmal wieder der Sommer zurück. Na, ja, gefühlt eben nur. Der Kalender zeigt Oktober an und der war ganz kurz golden. Also, wir hatten Wetter. Aber so richtig. Mit Sonne, mit Goldlaub und mit kurze Hose, mit schwitzen im Pulli.
Nur die frühe Dunkelheit erinnert an Herbst. Und darum brauche ich nach manch spätem Feierabend schon Licht am Rad. So auch gestern Abend als ich wieder meine altbekannte Tour inne bronxx zurückgebrettert bin.
Auf den letzten Metern muss ich immer am "Momo" vorbei und meistens ist die Ampel über die Luisenstraße rot.
Heute auch, das sehe ich schon von weitem und drossele mein Tempo.

Vor mir der Radfahrer, ein Typ mit nem dunkelhaarigen Zopf, fährt aber noch lahmarschiger als ich. Ja, sorry. Kann ich immer so gar nicht leiden... Tuddelt da rum, Kopfhörer anne Ohren, dummdidumm und versperrt mir die Straße.
Doch das bin ich ja den halben Tach gewohnt, nech?! Ständig fahren oder laufen mir Leute vors Vorderrad auf dem Radweg. Ergo lege ich nen Zacken zu, trete einmal mehr inne Pedale und setze zum Überholen an. Mit Hand raus und dem ganzen Schnickschnack. Ja, lacht nicht. Das kann nich mehr jeder. Auch bei Rädern ohne Stern fehlt der Naturblinker häufig. Die Leute sind überfordert, egal wohin de guckst!
Also, ich cruise nun an dem jungschen bezopften Musikanten vorbei, schaue ihn mir kurz an und denke, mich trifft der Schlag. Alter, haste nich gesehen!!! In seiner linken Hand blitzt mich ein Messer an.
Es liegt geschmeidig in der Innenfläche der Hand des Radlers, die sich zudem noch am Lenker festhält. Die Zacken des Messer sind auch mit dem bloßen Auge bestens sichtbar und die ordentlcih lange Klinge steckt in einem mittelbraunen Holzgriff. Oh mein Gott... Was ist das? Was hat der Knabe denn jetzt damit vor?


Und ihr kennt Eure bloggerin inzwischen einfach zu gut und wisst, der kleine Horrorladen im Kopf ist ab sofort geöffnet. Aber ganz weit. Erschwerend hinzu kommt, dass se momentan auch noch ne Ausbildung macht - sowat mit Psyche und so - und da werden solche Aktionen natürlich nochmal aus nem ganz anderen Blickwinkel beäugt. Da biste quasi gezwungen, Deiner Umwelt bestimmte Fragen einfach zu stellen. Egal, ob se das toll finden oder verstehen.
Nachdem ich mich gefangen habe - weil professionell wirken sollen machen täten tun, nech - bremse ich ein wenig und sehe dem Mann hinter mir fest inne Augen (soweit das an ihm vorbeifahrend von Rad zu Rad überhaupt geht) und frage ihn:" Hallo. Du, ist alles okay bei Dir?" Er sieht verdattert zurück und antwortet dann: "Öh, ja. Warum?" Ich dann so:" Du hast ein offenes Messer dabei und das ist nicht so ganz normal, wenn hier am hellichten Tag (na ja, wohl eher so im schummerigen Abendlicht, aber ihr wisst, wie ich meine...) jemand mit der gezückten Klinge durche bronxx radelt." Er grinst erst und lacht dann schließlich. "Ach das meinst Du... Ja, das habe ich mir gerade gekauft und ich wollte es nicht so in meinen Rucksack stecken. Damit da nichts kaputt geht."
 

Jetzt muss auch ich lachen, verabschiede mich winkend von ihm und rase davon in Richtung Sch-straße.
Ich war erleichtert und es war mir etwas unangenehm. Aber egal. Meine Prüfer wären bestimmt stolz auf mich gewesen, wenn ich bei der Schilderung dieser Situation so reagiert hätte. Hätte nämlich auch anders ausgehen und ins Augen gehen können. Alles schon passiert hier im WRG. 
Gut, dass ich daneben lag. Nicht nur haarscharf sondern ganz schön sehr weit. Zum Glück!


Freitag, 13. Oktober 2017

Es ist angerichtet

Was angerichtet ist?
Keine Ahnung, ich weiß es doch auch nicht. Vielleicht haste ja ne Idee dazu? Vorweg schildere ich Dir kurz die Gesamtsituation und dann kannste ma gucken, was Dir dazu so einfällt.

Samstagfrüh bin ich wieder übern Franky gehuscht. Der Marktmann war schon fleißig am Aufbauen und unser Supermarkt erwartete mich mit frischer Ware, flotter Mucke und der neuen Azubi-Kassiererin. Die zieht immer voll schnell die Ware übers Band und rät mir dann, wenn ich hektisch beim Einpacken werde und gar nicht mehr nachkomme, ich solle doch ganz in Ruhe machen, sie macht auch extra langsam... Echt lustitsch!
Den Rückweg mit meiner Einkaufstasche trete ich diesmal über ne Seitenstraße an. Muss ja ma gucken, ob inne bronxx noch alles gut is... Da finde ich an der Straßenecke ein völlig komisches Bild vor, gleich einer Fata Morgana oder wie eine illusionäre Verkennung: ein schwarzer Socken und ein Esslöffel. Na toll, ey, was ist das denn?

Der Socken oder muss es die Socke heißen? Was weiß ich! Ist mir auch latte in dem Moment. Jedenfalls ist das schwarze Stoffding vermutlich aus Baumwolle (mit Mischgewebe sicherlich), etwa ne Größe 39 bis 42. Ob es jetzt der rechte oder linke war, konnte ich wirklich nicht erkennen. - Iroie aus -. Er war ordentlich nass vom tagelangen Regen und etwas sandig. Auf schwarz sieht man ja auch gleich alles immer so doll, nech?!




Der Esslöffel war aus Edelstahl, kein Silber, sowas sehe ich sofort. Keine Markenware sondern eher so Modell "Krankenhausküche". Na, ihr wisst schon, Karo einfach eben, wie man früher so sagte.

Tja, und nu? Da gehste da lang und siehst da die Teile in trauter Eintracht da mitten auf dem Gehweg liegen. Ich frage mich: wer legt das da ab? Oder verliert es gar? Oder haben die sich da zufällig getroffen? Oder gibt es gar keine Zufälle? Sollte das so?
Ich bin irritiert. Echt jetzt ma. Was würde Euch durch den Kopf schießen bei so einer Kombo?


Mein Weg nach Hause war jedenfalls gerettet und selten kurzweilig. Mein Kopf sponn herum und suchte nach Erklärungen und Lösungen.
Kindergeburtstag-Eierlaufen? Die Augen quasi verbunden mit dem Socken, aber wie klein müssen dann die Kinder sein... Oder doch mehr Polyesteranteil im Mischgewebe, weil dann nämlich dehnbarer.
Oder war gar unser Baumwollpflücker diesmal anderweitig von einer Liebsten vor die Tür gesetzt worden und bekam statt warmer Kleidung nur jeweils die Hälfte vom Hab und Gut beim Rauswurf hinterhergepfeffert?
Oder Kochklub und zum Dinner gab es Apfel oder Würstchen im Schlafrock?

Zuhause angekommen hatte ich es auf einmal: Junkie-Besteck. Arm abbinden und das weiße Pulver auffem Löffel gekocht inne Spritze gezogen innen Arm gejagt. Diese Erkenntnis schien logisch und mir persönlich voll schocking und traurig. Klar, wir sind hier im WRG und so und alles is möglich, aber doch nich de harten Drogen. So schlimm isses doch hier nicht, dass man sich ausschießen muss, hier bei uns inne bronxx.

Jungs und Mädels, macht nicht so wat, lasst das lieber sein. Ihr habt immer ne Wahl, immer. Und denkt dran, am Sonntag erst recht...
Also, immer schön sauber bleiben!


Donnerstag, 5. Oktober 2017

Achtung, fürchterliche Doofheit

Ich warne gleich schon mal vor: heute wird es politisch hier. Und das meinen wir mal richtig Ernst. Jupp.
Also, wer die Überschrift liest und die Abkürzung der Buchstaben auch anders kennt, der wird sicher ahnen, was wir damit meinen...

Alles natürlich ganz klar aus gegebenem Anlass, denn am vorletzten Sonntag war ja Bundestagswahl und ich habe dort wieder die Wahlhelferin gegeben, im Nachmittag- und Abenddienst.
Bis auf ein bis zwei personelle Veränderungen hatten wir wieder den Rest der alten Truppe am Start. Wir freuten uns auf ein Wiedersehen und hatten reichlich viel zu tun und noch mehr Spaß im Wahllokal.

Die obligatorischen Nimmzwei-Bollos, die das Wahlamt immer im roten Koffer für uns mitliefert, waren diesmal ruckzuck alle. Verfüttert an die Begleitkinder und hungrige Wahlberechtigte. Wir selbst haben davon echt wenig diesmal abbekommen... Süß war irgendwie nicht. Und versüßen ließ sich das schon gar nicht, das Wahlergebnis.
Denn schon beim Auszählen der Zweitstimme landeten kolossal viele Stimmzettel auf dem Stapel dieser einer Partei. Dieser einen, die wir nicht wirklich mögen und die wir - so unsere ganz eigene Meinung - auch nicht wirklich brauchen. Nicht hier bei uns inne bronxx und schon gar nicht im Bundestag.


Der diesbezügliche Erststimmenstapel machte das alles nicht besser oder gar wett, im Gegenteil. Auch hier zu hoch, zu viel, zu... Erschrecken immer wieder bei den Auszählern. Unglaublich. Die Wahlbeteiligung war sehr sehr hoch, hatten wir doch nachmittags, nach dem Regen, richtig gut zu tun. Kein Leerlauf, durchweg Andrang und scheinbar auch genug darunter, die jenem besagten Stapel da oben haben anwachsen lassen.


Der Abend war hin. Das spiegelte sich dann irgendwie auch in den sozialen und sonstigen Medien wieder. Wir waren erst um 20:45 Uhr fertig mit allem und dann durfte ich nach Hause und mir verging alles, was mit Wahlberichterstattung zu tun hatte. Die Hoffnung stirbt zuletzt und sie starb dann auch.

Hatte ich doch bis zum Schluss im Wahllokal gehofft, dass unsere hood uns keine Scherereien macht, korrekt bleibt und wir die bisherige politische Geschichte hier unverdrossen weiterleben mögen... Aber, es kam anders. Der Schock sitzt immer noch tief und nur langsam erwacht die Welt und das WRG wieder und wird sich vielleicht dessen bewusst, was das für Konsequenzen haben wird und könnte.
Scheinbar ist auch hier Proteststimmung angesagt. Das macht Angst, weil, das hatten wir alles schon mal und eigentlich sollte das nie wieder kommen... Einige sehen das jedoch anders. Schade, liebe bronxx! Wir waren immer ehrlich hier miteinander und das hat uns bisher ausgemacht...
Lasst es bitte nicht schlimmer werden. Wir müssen besser auf uns aufpassen und der blog kann vielleicht auch einen kleinen Teil dazu beitragen. Hier bei uns in der bronxx...
Also liebe Leute, macht es am 15. einfach mal anders und besser. Déjà vus überlassen wir anderen und treten den Beweis an, das wir auch anders können... 

 

Donnerstag, 28. September 2017

Alles Banane

Falls Ihr Euch schon jemals gefragt haben solltet, wie eigentlich unsere blog-Beiträge entstehen, verrate ich Euch jetzt mal ein Geheimnis. Also, psst, ganz geheim!
Manchmal wissen wir beide es selbst gar nicht so genau. Dann ist meinetwegen schon Dienstag und zack, ich habe noch nichts aufs Papier oder besser auf den Bildschirm gebracht. Dann hilft nur eins: Sohni fragen oder den schwarzen Peter anhauen, ob es in seinem Teil der bronxx was neues gab....

So isses, ihr kennt das.
Und für heute war es wieder so. Ich hatte Glück, Nils hat mir ein Foto geschickt und sofort war die Schtorie da.


Der schwarze Peter hat nämlich neue Nachbarn, gegenüber oder so, is ja auch wurscht eigentlich. Jedenfalls hat er die Fenstern von denen geknipst, denn darin befand sich kurioses. Ihr ahnt es schon...
 

Stellt Euch ganze vier Fenster vor, ja, so in einer Reihe, eben nebenander. Is klar, ne!?
So, und im ersten Fenster, was siehste da? Nix, außer alles voller Kartons. Bis obenhin. Weder Licht kann raus noch rein, noch kann einer reinkommen und rausgucken oder umgekehrt. Und da die besten Pappbehälter immer noch aus der Obstabteilung des Supermarktes kommen, waren es alles, jupp richtig, Bananenkartons. Echt jetzt mal hinter der ganzen Scheibe alles vollgestapelt.


Nun zu Fenster Nummer zwei... Ich mache es kurz: das selbe Bild, das gleich Obst anner Seite druff. Ergo, alles Banane. Also, die Kartons. Ihr merkt schon, die haben mal richtig viel Zeugs inne Bude.

Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt natürlich: Fenster drei, dat selbe in gelb? Nee... Na ja, fast nee. Der Blick inne Hütte ist frei, es steht kaum was im Fenster. Außer zwei kleine Plüschtiere, natürlich in gelb, mit Jeanshose an und ner einäugigen Brille am Kopp. Richtig, die Minions. Bekannt aussem Kino im Trickfilm.

So, eine Glasscheibe haben wir noch im Angebot. Was meint ihr, wer da wohl noch drinsaß? Na, dämmert's? Selbe Farbe, selber Stoff, nur anderen Namen... der Rest der Minion-Truppe. Drei weitere von den lustigen Kuschelkumpels.

Jetzt ist alles klar, glasklar, oder? Wo Minions wohnen, müssen auch Bananen sein und zwar reichlich, gell? Die einzig wahre Nahrung, für die die Kerlchen im Film alles stehen und liegen lassen und fast sterben würden. Wahrscheinlich sogar auch im richtigen Leben, was dann hiermit endgültig bewiesen wäre. 

Deshalb: bronxx is bananaaaaa!


Donnerstag, 21. September 2017

Auto-Haus

Jede Straße hat es. Irgendwie schon. Dieses eine Fahrzeug, was seit Wochen, ja Monaten und gefühlt wohl eher Jahren immer an der selben Stelle parkt. Tagein tagaus. Egal, wann Du aus dem Fenster schaust oder Deine Wohnung verlässt, es steht da, wie ein unverrückbarer Fels in der Asphaltlandschaft.
Es bewegt sich nicht einen Millimeter weiter, wirkt fast wie verwachsen mit dem Erdboden. Von außen eingängig farbig, meistens in einem auffälligen Rot oder Mittelblau, fast ausschließlich als Mittelklassemodell, sind die Fensterscheiben oft schon etwas beschlagen. Von innen, versteht sich. Und manchmal - sozusagen im nächsten Fortgeschrittenen-Modus - bilden sich sogar winzig kleine Tröpfchen, die langsam und gemütlich den Weg von oben nach unten an der Scheibe entlang suchen...

Aber was solls, richtig reingucken kann man eh nicht durchs Glas. Denn, im Inneren stapeln sich neben Tüten, Kartons, leer und voll gleichermaßen, unzählige andere Utensilien des täglichen Gebrauchs. Manchmal gar noch sorgsam in Decken und Tücher gehüllt...
Ach, was man da nicht alles entdecken kann: Bücher, Schirme, Toilettendeckel, Lampen, Kleidung, Schuhe, Zeitungspapier, Schallplatten und noch vieles vieles mehr. Gäben denn die dunstigen Scheiben den Blick auf das wahre Ausmaß des Sammelsuriums frei. 

Der Fahrersitz ist erstaunlicherweise kaum eingedeckt mit etwas von dem allen. Dafür haben Bei- und andere Mitfahrer das große Nachsehen. Kein Härchen hat mehr Platz, so akribisch hat man den Hausstand auf dem einen wenigen Quadratmeter untergebracht.
Ja, eigentlich ist nur noch ein Plätzchen für den Besitzer frei und den wird er, sie, es aber auch brauchen, denn ich möchte nicht wissen, wie die Hütte von und bei denen aussieht. Geschweige denn, wie vollgerümpelt die ganze Bleibe so sein mag. Das weiß man ja auch nicht, aber ahnt es denn schon.
 

Oder aber, sie haben keine mehr. Das könnte auch sein und statt des Lebens auf der Straße, hat der Umzug ins werte Gefährt stattgefunden. Und bevor man nix mehr bei sich hat, wird man sein Ganzes mal eben fix untere Blechhaube gebunkert haben. Nun würde sich ja erklären, warum sich das ganze Haushaltsallerlei da auffe Beifahrersitze und im Fußraum überhaupt anstaut und vor sich hin vegetiert. 
Ich sachs ja, dem Messie sein Auto-Haus. Billig im Verbrauch, fast mietfrei, keine lästigen Mitbewohner, unverrückbar auf ewich und fürn Schläfchen inne bronxx Straßen wird es allemal reichen zwischene Socken und de Pappkisten.
Und wenn einer blöde fragt, war man immer am Wochenende zum Flohmarkt und hat das Auto noch nicht ausgeräumt. Gelle?
Tja, nicht ganz dumm, aber eben doch etwas zu blauäugig, denn Schimmel im Schlafzimmer wegen de feuchten Wände braucht ma keiner. Nicht ma hier bei uns inne bronxx! Hier, wo eh jeder weiß. wo Dein Haus parkt...


Donnerstag, 14. September 2017

Woll-Lust

So, vorhin komme ich auffem Rad wieder mal im Feierabend-Verkehr nach Hause gedüst und muss wie immer am Volksbrausebad vorbei. Die alten bronxx-blog-Profis unter Euch erinnern sich vielleicht: da, wo der Stripper am Fenster stand. Jedenfalls da inner Nähe an der Ecke.
Und da ist auch die Ferdinandbrücke. Kurz vor der Brücke stehen ein paar Poller. Ich muss da immer durchheizen. So auch heute. Und, was sehe ich da beim Vorbeifahren? Zwei der Poller waren eingehäkelt. Tatsächlich. Ich bin habe extra das Tempo gedrosselt und mich nochmal umgedreht zu den Wolltürmen da im Asphalt.

Schön im Ringellook standen se da, de einstigen grünen Metallpoller. Jetzt mit Stäbchenmaschen eingehüllt, hübsch bunt, abwechselnd zwei bis vier Reihen rosa, dunkelblau und irgendwie so lila Wolle. Lustig. Flauschig wohlige Verkehrshindernisse im Pippi-Langstunpf-Kostüm. Schon fast aberwitzig und weniger bedrohlich ragen sie dort von der Straße aus hinein in die Welt. 
In Berlin sieht man das einmal öfter als hier, da heißt das dann auch gleich mal richtig schick: urban art. Ausgesprochen wird es in etwa so: örben art. Und bedeuten tut es ganz einfach nur das: städtische Kunst.

Ich finde das irgendwie total niedlich und witzig und erfreue mich gerne an solchem Zeugs. Noch lustiger finde ich es jedoch, darüber mal nachzudenken, wie die Teile dahin gekommen sein könnten. Also, hat der Künstler oder die Künstlerin sich da inne Nacht mit de Häkelnadel und den Wollresten vonne Omma an den Poller gesetzt, Luftmaschen angeschlagen und dann gib ihm? Oder einfach an einem lauen Tag bei Sonnenlicht Maß genommen und dann zuhause die Finger wundgeknöpert und dann wieder zurück und mal eben drübbergezuppelt, in der Hoffnung, das alles passt, wackelt und Luft hat...

Und, wer kommt auf solche Ideen? Und, wer macht sowas überhaupt? Ältere Damen, die vom letzten Enkel-Pullunder noch Reste übrig hatten? Schulkinder, bei denen der Handarbeitsunterricht bleibende Spuren hinterlassen hat? Emanzipierte junge Männer, die Umweltschutzaktivisten-Vereinigungen entstammen und alles irgendwie einwickeln müssen? Frustrierte Frauen, die lieber stricken äh häkeln statt Rad fahren müssen? Wollfachverkäuferinnen auf Werbetour?





Wer weiß... ich war es jedenfalls nicht, obwohl ich Mützen häkeln und Socken stricken kann - jaha! Ganz echt jetzt mal.

Auf jeden Fall haben wir im WRG jetzt auch mal sowas wie in Berlin schon lange in, hipp und tofte und so ist. Ätsch man, wir sind hier eben doch ganz schön cool und in Sachen Kunst ziemlich nah am Puls der Zeit. Klein-Berlin inne bronxx... Also, was wollen wa mehr?!

Donnerstag, 7. September 2017

Märchenhaft

Jeder anständige Kurort oder Stadt hat einen Märchenwald. So mit Bäumen, irgendwo tief im Unterholz. Und mit Buden, wo Figuren in Lebensgröße Hänsel, Gretel und Co nachahmen. Und irgendwie muss man die als Kind auch alle mit seine Eltern abklappern.
Ich fand die meisten als kleine Püppi - ehrlich gesagt - gruselig. Es hat immer geregnet, wenn man diese Waldsensationen angucken musste. Dann hat man da doof hingefunden und in mindestens einer Holzhütte war es dunkel, weil der Förster nicht regelmäßig nach dem Licht geschaut hat. Und, was ganz schlimm war, mir gefielen durchweg die Figuren darin nicht. Diese großen Puppen waren altbacken, schlecht gekleidet und warfen schon in Kindertagen für mich einen ersten Blick auf Horrorfilme. jedoch ohne letztere jemals bis dahin gesehen zu haben. Das war nüscht für mich.

Märchenwald klang in meinen Ohren und in meinem Kopf nach Elfen, Kobolden, Zwergen, Blumenwiesen. Nach grün, rosa, weiß, Moos, Sonnenlicht, hell, nach dem Schnee von Frau Holle und dem Froschkönig. Ja, aber nix da. Alles braun, dunkel, nass, grummelige Gesichter, streng, hölzern und dramatisch tot... Kurz: ein Trauma. Schlechte Kindheit und so... (Muttern, wenn de das jetzt liest, keine Sorgen machen. Du weißt ja, das ist ja nur blog und denn nicht ganz so ernst gemeint. Nur die anderen Leser sollten das glauben...)

"Das Gute kommt zu dem, der warten kann," meint Chefin. Immer. Und was soll ich sagen, sie hat recht. Ich sitze ja schon acht Jahre hier inne bronxx und warte. Und plötzlich ist es soweit. Mein Kindheits-Trauma erfährt endlich Heilung. Der Horrormärchenwald blüht quasi neu auf. Und das ganz ohne Stress und ohne Therapie. Einfach nur so, drei Straßen weiter. Mit ganz viel Kreide und in bunt. Mitten auffem Gehweg. Kein déjà-vu, keine Fata Morgana. Nein echt. In großer Schreibschrift steht da einladend in weiß mit Straßenkreide auf die Platten geschrieben: Willkommen im Märchenland! Dann muss man als Gast dieses Märchenwaldes erstmal durch eine gemaltes großes Eingangstor. Fast so wie in einem Schloss.
Danach wartet ein ca. vier Meter langer Gang auf den Besucher. Allseits umsäumt von lieblichen Kreideblümchen in allen Formen und Farben, zusammen mit Gras, aus dem Asphalt des Gehweges erblühend. Auf dem Wandelweg aus den winzigen Farbpigmenten wird man als Besucher von drei runden Verweilplätzchen überrascht. Der erste ist umsäumt mit akkurat aufgezeichneten Sitzplätzen, im zweiten scheint sich eine Art Brunnen mittig wiederzufinden und das dritte Rund birgt im Zentrum ein extra filligran gemaltes Pflänzchen. 



Aus Kinderhand und Herz entstanden und in mühevoller Kleinarbeit auf den Gehweg gekritzelt... So lieb! In all den schönen leuchtenden Farben, die mir damals so gefehlt haben im dunklen Märchenwald. Ich kann es kaum fassen und möchte auf der Stelle einmal oder am besten gleich mehrmals diese fabelhafte Zauberwelt betreten. Kindheitstraumaheilung par exellence. Und das ist wahrlich kein Märchen! Ich schwöre: Wunder gibt es immer wieder. Immer. Und hier bei uns in der bronxx ganz besonders. Also, nimm Platz am Brunnen und ruhe Dich aus; hier werden Träume wahr, hier bei uns inner bronxx!